Inhalt
Gegenseitiges Verstehen fängt meist mit einer gemeinsamen Sprache an. Sie ist der Schlüssel zu einem fremden Land, das eines Tages vielleicht eine neue Heimat wird. Die Schüler*innen der Vorbereitungsklasse in der Kölner Henry-Ford-Realschule jedoch haben mit weit mehr zu kämpfen als nur mit der deutschen Sprache. Bei aller Verschiedenheit ihrer Herkunft ist ihnen gemeinsam, dass sie erst seit kurzem in Deutschland sind – ob sie bleiben dürfen, ist bei vielen ungewiss. Angesichts dieser Umstände fällt es den Kindern oft schwer, sich auf die ungewohnte Sprache und ein noch ungewohnteres Schulsystem einzulassen. Zum Glück haben sie in ihrer Lehrerin Ute Vecchio eine resolute und gleichzeitig fürsorgliche Unterstützerin. Zwei Jahre hat sie maximal Zeit, um ihre Schüler auf die reguläre Schule vorzubereiten. Mit Hingabe paukt sie mit den Kindern Vokabeln, Grammatik und Mathe, hört zu, kritisiert, fordert. Die Kölnerin pocht auf die Einhaltung von Regeln und Vereinbarungen, aber sie nimmt ihre Schützlinge auch vor ihren mitunter überehrgeizigen Eltern in Schutz.
Umsetzung
Regisseur Florian Heinzen-Ziob und sein kleines Filmteam haben diese ungewöhnliche Klasse im Verlauf von sechs Monaten regelmäßig begleitet. Ihr Film beschränkt sich in direct cinema-Manier auf die reine Beobachtung. Es werden also keine Interviews geführt oder Hintergrundinformationen aufbereitet, die helfen das Geschehen einzuordnen. Die Zuschauenden erfahren nur, was von der Kamera eingefangen wird. Diese Herangehensweise kommt sehr nah an die Protagonist*innen heran, sie scheinen Gegenwart des Filmeteams geradezu zu vergessen. Die Entscheidung, in schwarz-weiß zu drehen, bewirkt einen leichten Verfremdungseffekt der vertrauten Schulumgebung. Dadurch rücken die ausdrucksstarken Gesichter der Menschen umso mehr in den Fokus. Mit seiner langsamen Erzählweise, die häufig sich wiederholende Situationen einfängt, fordert der Film allerdings auch Offenheit und Geduld von den Zuschauenden.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Integration ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Der Film zeigt am Beispiel Schule ganz konkret, was das bedeutet. Daran anknüpfend stellt sich die Frage, inwiefern das Gezeigte eigene Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler widerspiegelt oder ob die Lebensumstände der Protagonist*innen sie eher befremden. Und weiterhin: Mit welchen Schwierigkeiten haben die Kinder im Film zu kämpfen? Wie sieht das Leben in einem Viertel wie Köln-Chorweiler aus, das als sozialer Brennpunkt gilt? Außerdem regt der Film an, das Lehrer-Schüler-Verhältnis zu reflektieren: Was macht einen guten Lehrer, eine gute Lehrerin aus? Welche Erwartungen bestehen auf beiden Seiten? Darüber hinaus können auch die filmischen Mittel diskutiert werden. Es bietet sich an, die Vor- und Nachteile einer rein beobachtenden Herangehensweise zu analysieren. Und wie sähe ein Film aus, den die Jugendlichen über ihre eigene Klasse drehen würden?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dörthe Gromes
,
06.05.2019
,
letzte Aktualisierung:
16.11.2022
Regie
Florian Heinzen-Ziob
Buch
Florian Heinzen-Ziob
Darsteller*innen
Mitwirkende: Ute Vecchio und Schülerinnen und Schüler
Länge
89 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, schwarz-weiß
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
W-Film
Festivals
Kinofest Lünen 2018: Schülerfilmpreis, Publikumspreis LYDIA; Sheffield Doc Fest 2018; Neisse Filmfestival 2019