Inhalt
Das süße Leben findet in diesem Film an ein paar sinnbildlichen Orten statt: auf den Terrassen der Via Veneto, im Varieté und in den üppigen Villen außerhalb der Großstadt. Dort, wo sich die Hitze in den Sommernächten aushalten lässt, vertreibt sich die römische Schickeria den vermeintlich sorglosen Alltag. Mittendrin sind der Klatschreporter Marcello und eine Vielzahl sensationsgieriger Fotografen. Während seine Verlobte Emma sich eine häusliche Ehe wünscht und an der Beziehung verzweifelt, jagt Marcello Stars, Skurrilitäten und Skandalen hinterher – und immer auch anderen Frauen. Glücklich ist er in seinem unstillbaren Begehren, in seiner Rastlosigkeit nicht. Sein intellektueller Freund Steiner erinnert ihn an die literarischen Ambitionen, die er aufgegeben hat. Doch statt ihm ein Vorbild zu sein, begeht Steiner ein furchtbares Verbrechen. Ohne moralische Orientierung scheint für Marcello auf jede rauschhafte Nacht ein Morgen mit dem Gefühl existenzieller Leere zu folgen.
Umsetzung
LA DOLCE VITA war 1960 ein Meilenstein im Werk von Federico Fellini, im Kontext des italienischen Nachkriegskinos und für den internationalen Einfluss des europäischen Autorenfilms. Der Film gewann die Goldene Palme in Cannes und einen Oscar, provozierte Proteste der Katholiken, ging mit seiner sinnlich-stylishen Inszenierung des römischen Nachtlebens ins kollektive Gedächtnis ein: Die Fotografenfigur Paparazzo gab ihrer zweifelhaften Zunft den Namen; der Filmtitel wurde zur Redensart für Müßiggang und Genuss. Statt der Melancholie des Films wurde die Szene berühmt, in der Marcello Mastrioanni der unnahbaren Anita Ekberg in den Trevi-Brunnen folgt. Tatsächlich verliert Fellini, der seine Karriere im Kontext des Neorealismus begann, die soziale Not aber nicht aus dem Blick. Die episodische Erzählung führt Marcello auch in ein armes Viertel am Stadtrand, wo eine vermeintliche Erscheinung der Jungfrau Maria in eine massenmedial aufgebauschte Massenhysterie umschlägt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Fellinis Klassiker, nun restauriert als digitale 4K-Fassung, beeindruckt mehr als 60 Jahre nach der Uraufführung noch durch seinen formalen Reichtum. Die elegant gleitende Schwarz-Weiß-Kamera (Otello Martelli), die Montage von Originalschauplätzen und Set-Bauten, die ausdrucksstarken Kostüme und der verspielt-sehnsuchtsvolle Score von Nino Rota machen LA DOLCE VITA zu einem exemplarischen Werk, um Film als Kunst zu vermitteln. Nach einer Sichtung des Films in ganzer Länge sollten die episodische Struktur und die Leitmotive (religiöse Symbole, Treppen-Motiv, Tag/Nacht) erarbeitet werden. Es bieten sich aber auch etliche Sequenzen für eine Filmanalyse in der Oberstufe an. So lassen sich die Szenen am Trevi-Brunnen, das Liebesgeständnis von Maddalena und die Begegnung am Strand mit der Kellnerin Paola gut vergleichen. In drei Varianten inszeniert Fellini hier – mittels visueller Trennung – den scheiternden Versuch einer Verbindung zwischen Marcello und den jeweiligen Frauen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Jan-Philipp Kohlmann
,
05.07.2022
,
letzte Aktualisierung:
06.07.2022
Regie
Federico Fellini
Buch
Federico Fellini, Ennio Flaiano, Tullio Pinelli
Darsteller*innen
Marcello Mastroianni, Anouk Aimée, Anita Ekberg, Yvonne Furneaux, Alain Cuny, Annibale Ninchi, Walter Santesso u. a.
Länge
174 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, italienische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
35mm, schwarz-weiß, digitalisiert
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
StudioCanal
Festivals
Internationale Filmfestspiele von Cannes 1960: Goldene Palme; Oscar-Verleihung 1962: Preis für das beste Kostümbild