FilmTipp ZOOM

Das Format FilmTipp ZOOM wirft einen genauen Blick auf die Aspekte eines Films, die ihn zu etwas Besonderem machen. Das können gesellschaftspolitische Fragestellungen ebenso wie die ungewöhnliche Kameraarbeit sein. Neben einer ausführlicheren Filmbesprechung gibt FilmTippZOOM mit Leitfragen und ausgewählten Aufgaben wie z.B. einer Szenenanalyse konkrete Impulse für den Unterricht und Hinweise auf Lernhorizonte und Kompetenzerwerb.

Allen Lehrkräften, Pädagog:innen, Multiplikator:innen, Kinos, Medienzentren, Bildungsinitiativen und anderen Interessierten stehen die FILMTIPP ZOOMs im Rahmen ihrer Filmbildungsarbeit frei zur Verfügung.

Ansprechpartnerin

Ansprechpartnerin

Sabine Genz

Tel. 030 / 2359 938 65

Filmplakat Orlando - Meine politische Biografie

Orlando - Meine politische Biografie

Frankreich 2023

Der queere, experimentelle Dokumentarfilm von Paul B. Preciado wurde auf der Berlinale 2023 vielfach gefeiert. Der Film ist ein Brief an Virginia Woolf und eine Auseinandersetzung mit ihrem Roman "Orlando". Preciado lässt 25 queere Menschen im Alter von 8 bis 70 Jahren als Orlando sprechen und thematisiert auch seine eigene Transition. Der Film ist poetisch, philosophisch, intim, mehrfach biografisch und queeres Empowerment.

Originaltitel

Orlando, ma biographie politique

Genre

Literaturadaption, experimenteller Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Sozialkunde, Geschichte, Französisch, Philosophie, Ethik, fächerübergreifend: Erziehung zur sexuellen Selbstbestimmung

Themen

Gender/Geschlechterrollen, LGTBQI+, Identität, Nicht-Binarität, Transgender, Transition, Coming Out, Selbstwertgefühl, Kolonialismus, Emanzipation, Mode

Kinostart

14.09.2023

Inhalt


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„Die Welt heute ist voller Orlandos“. Das ist die zentrale Botschaft von ORLANDO – MEINE POLITISCHE BIOGRAFIE. Der Film bezieht sich auf den Roman „Orlando“ von Virginia Woolf aus dem Jahr 1928. Die Romanfigur Orlando wechselt als junger Adeliger zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch mehrere Schlafphasen das Geschlecht und lebt über 300 Jahre als Frau in verschiedenen historischen Epochen. In seiner filmischen Auseinandersetzung mit diesem Roman adressiert der Philosoph und trans*Aktivist Paul B. Preciado einen Brief an die längst verstorbene Schriftstellerin Virginia Woolf, in dem er ihr mitteilt, dass ihre Figur wahr geworden ist, dass es heutzutage viele Orlandos gibt. Preciado lässt dann exemplarisch 25 trans* und nicht-binäre Menschen im Alter von 8 bis 70 Jahren jeweils als Orlando zu Wort kommen und auch seine eigene Transition wird in dem Film nachgezeichnet.

Umsetzung


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Der Film ist experimentell gestaltet. So kann das Publikum dem Filmteam beim Aufbau der Szenen zuschauen, zum Beispiel, wenn der Tontechniker den ersten Orlando im Film in einem idyllischen Wald verkabelt, oder später ein Regenguss inmitten einer Werkstatt über einem weiteren Orlando-Darsteller* niedergeht und das Team mit Gießkannen auf einer Leiter gezeigt wird. Die Drehorte variieren: Wald, Werkstatt, Pariser Katakomben, Schiffsdeck, Wartezimmer eines Psychiaters, Operationstisch, Gerichtssaal. Alle Orte und Szenen sind sorgfältig ausgeleuchtet und immer mit einer klaren, oft grellen Farbgestaltung. Preciado ist vor allem über Voice-Over zu hören. Die Kamera ist nah an den Darsteller*innen. Deren Gefühle und Gedanken zu dem Roman von Woolf und vor allem zu den eigenen nicht-binären oder trans*identitären Lebensbiografien sind Kernbestandteil der Erzählung.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Preciado schrieb einen filmischen Brief an Virgina Woolf. Schüler*innen können nach der Vorführung einen Brief mit Anmerkungen und Fragen an Preciado verfassen. Ein sinnvoller Ansatz wäre, im Unterricht vorab für die Begrifflichkeiten und die Themen des Films zu sensibilisieren sowie Woolfs Biografie und Roman zu behandeln. Dabei bietet sich ein klassischer Vergleich von Roman und Film an. Beobachtungsaufgaben zur Inszenierung der Darsteller*innen und zur Kameraarbeit sind ebenfalls denkbar. Schüler*innen können ihre Lieblingsszene und Lieblingsaussagen teilen und diskutieren. Praxisbezogen ist das filmische Nachstellen einzelner Szenen denkbar, in denen die Schüler*innen mit wenigen Requisiten, zum Beispiel einer mittelalterlichen Halskrause, in die Rolle von fiktiven historischen oder zeitgenössischen Figuren schlüpfen und ihre Gedanken zum Film bekunden können. Der Film zeigt Archivmaterialien über Transfrauen der 1950-er Jahre. Über diese Pionier*innen der queeren Bewegung kann recherchiert werden.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Tom Weller, 28.08.2023, letzte Aktualisierung: 30.08.2023

Regie

Paul B. Preciado

Buch

Paul B. Preciado

Darsteller*innen

Mitwirkende Oscar-Roza Miller, Janis Sahraoui, Liz Christin, Elios Levy, Victor Marzouk, Paul B. Preciado, Kori Ceballos, Vanasay Khamphommala, Ruben Rizza, Julia Postollec, Amir Baylly u. v. a. m.

Länge

98 Min

Sprachfassung

französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Salzgeber

Festivals

Berlinale 2023: Teddy Award für den besten Dokumentarfilm, Leserpreis des Tagesspiegels, Specialpreis der Jury und lobende Erwähnung Berlinale Dokumentarfilmpreis; Queerfilmfestival Berlin 2023

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