FilmTipp ZOOM

Das Format FilmTipp ZOOM wirft einen genauen Blick auf die Aspekte eines Films, die ihn zu etwas Besonderem machen. Das können gesellschaftspolitische Fragestellungen ebenso wie die ungewöhnliche Kameraarbeit sein. Neben einer ausführlicheren Filmbesprechung gibt FilmTippZOOM mit Leitfragen und ausgewählten Aufgaben wie z.B. einer Szenenanalyse konkrete Impulse für den Unterricht und Hinweise auf Lernhorizonte und Kompetenzerwerb.

Allen Lehrkräften, Pädagog:innen, Multiplikator:innen, Kinos, Medienzentren, Bildungsinitiativen und anderen Interessierten stehen die FILMTIPP ZOOMs im Rahmen ihrer Filmbildungsarbeit frei zur Verfügung.

Ansprechpartnerin

Ansprechpartnerin

Sabine Genz

Tel. 030 / 2359 938 65

Filmplakat Oh Boy

Oh Boy

Deutschland 2012

Niko Fischer, von Vaters Geld lebender Studienabbrecher, trudelt durch sein großstädtisches Leben auf der Suche nach Kaffee und einem Ziel. Vorbilder findet Niko bei den Menschen, die er trifft, zwar nicht, wohl aber permanente Anreize, an sich und der Welt zu zweifeln. Aus der Sinnsuche seines mutlosen Helden macht Jan Ole Gerster mit pointierten Dialogen und großartigen Schwarz-Weiß-Bildern tolles Anschauungsmaterial für eigene Gedanken.

Originaltitel

Oh Boy

Genre

Drama, Road Movie, Komödie

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Religion/Ethik, Kunst

Themen

Individuum (und Gesellschaft), Identität , Werte, Stadt, (Deutsche) Geschichte, Film/Filmgeschichte/Filmsprache

Kinostart

01.11.2012

Inhalt


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Niko Fischer hat einen schlechten Tag. Das mag daran liegen, dass er sich allgemein unwohl fühlt, vielleicht fehlt ihm aber auch nur der Kaffee. Niko ist der stille, gedankenverlorene Typ, einer, der sich vielleicht genau heute selbst verliert. Weder seine Freundin, noch die neue Wohnung, noch der Idiotentest wegen seines abgenommenen Führerscheins locken Niko aus der Reserve. Seine Geldkarte wird vom Automaten eingezogen, denn sein Vater hat ihm den Geldhahn zugedreht. Eine alte Klassenkameradin, die er zufällig trifft, frischt unangenehme Erinnerungen auf und die oberflächliche Lebensfreude seines Kumpels richtet Niko an diesem Tag ebenfalls nicht auf. Dieser Tag ist offenbar ein besonderer Tag – einer, an dem das Ende der Fahnenstange erreicht ist und ein neuer Blick auf das eigene Dasein her muss. Anregungen für frische Perspektiven erhält Niko mehr als genug – was er damit machen wird, bleibt offen.

Umsetzung


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Jan Ole Gerster portraitiert in seinen schwarz-weißen Bildern das Lebensgefühl eines jungen Mannes, der nicht weiß, wohin sein Weg führen soll. Er tut dies mit sehr viel Humor, sehr ausgefeilten, pointierten Dialogen und einer sorgfältig strukturierten Kameraführung, die an die Bildgestaltung bekannter Regisseure erinnert. Die Dramaturgie verändert sich im Verlauf des Films: die amüsante Mitnahme auf einen Trip durch die Stadt und die schrägen Begegnungen mit seltsamen Charakteren wandeln sich zu einem berührenden, auch bedrückenden Blick auf innere Konflikte, alte Wunden, unterschiedliche Arten der Betäubung von Sehnsucht und damit der Auseinandersetzung mit dem eigenen Blick auf das Leben. Tom Schilling charakterisiert Niko Fischer hervorragend und verleiht ihm jene Mischung aus Schmerz und scheinbarer Gleichgültigkeit, die nötig ist, um mitzugehen, einzusteigen und sich auf sich selbst zu besinnen.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Kann der Weg durch eine Stadt ein Roadmovie sein? Oh Boy verlangt vor allem nach einer Auseinandersetzung mit Erzählstrukturen, Bildersprache, Wortwahl und Figuren. Im Unterricht kann dies beispielsweise im Deutschunterricht im Vergleich mit Romanen wie „Fänger im Roggen“ oder „On the Road“ erfolgen, ergänzt durch Persönlichkeitsportraits und Figurenanalysen. Auch filmische Handschriften im Sinne von „Film als Text“ können im Vergleich betrachtet werden – beispielsweise mit frühen Filmen von Jean-Luc Godard, den lakonischen Filmen Jim Jarmuschs oder Chantal Akermans „Toute une nuit“. Ebenfalls im Deutschunterricht, aber auch in den Fächern Ethik und Religion können der Hauptcharakter des Films ebenso wie die Nebenfiguren zum Anlass genommen werden, um über gesellschaftliche Konventionen, Sinnfragen, Gemeinschaft und Kommunikation sowie über Alkohol im Alltag gesprochen werden. Die Art, wie „Alkohol“ und „Kaffee“ im Film die Handlung durchziehen, kann auch im Kunstunterricht thematisiert werden. Hier bieten sich darüber hinaus Analysen der Bildsprache, des Schnitts und der Bild-Ton-Kombination an.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Rotraut Greune, 28.09.2012, letzte Aktualisierung: 10.07.2020

Regie

Jan Ole Gerster

Buch

Jan Ole Gerster

Darsteller*innen

Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnanyi, Katharina Schüttler, Michael Gwisdek

Länge

85 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung

Format

35mm, digital

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

X-Verleih

Festivals

Filmfest München 2012, Filmfest Oldenburg 2012

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