Inhalt
Kosovo in den 90er Jahren: Um über die Runden zu kommen, verkaufen Nori und sein Vater Gesim auf den Straßen Zigaretten. Sie sind ein eingespieltes Team, Gesim kümmert sich um seinen 10-jährigen Sohn. Doch der Wunsch des Vaters, die Heimat hinter sich und seinen Sohn zurück zu lassen, um in Deutschland ein neues, sicheres Leben zu beginnen, ist stärker. Immer wieder stellt sich Nori ihm in den Weg – sogar auf die Gefahr hin, sein Leben zu riskieren. Aber letztlich gelingt dem Vater die heimliche Flucht. Zurückgeworfen auf sich selbst in einer Welt ohne haltbaren Beziehungen, begibt sich Nori auf die Suche nach seinem Vater. Wütend und verletzt, aber entschieden und unerbittlich macht er sich auf den gefährlichen Weg über die Grenze nach Montenegro, mit dem Boot übers Meer und schließlich mit dem LKW bis nach Deutschland. Es ist die Suche zweier Menschen, nach ihrem Zuhause in einer gebrochenen Welt; nach sich und ihren Beziehungen zueinander; nach Vertrauen und Sicherheit.
Umsetzung
Von den ersten Einstellungen an gelingt es Regisseur Visar Morina, die Grundspannung der damaligen Zeit eindringlich auf die Leinwand zu bringen. Trockene Landschaften und zarte Bilder formen dabei den Rahmen für eine langsame, aber stets intensive Erzählform, die mit einfachen Dialogen und visueller Unmittelbarkeit Zwischenräume schafft, die vom Zuschauer aktiv gefüllt werden müssen. Konkrete politische Zusammenhänge dabei ausklammernd erlangt der Film eine gewisse Zeitlosigkeit, welche die zwischen den Bildern gestellten Fragen nach Grenzen, Wegen und Zugehörigkeiten auf eine universelle Ebene hebt. Gerade dadurch erhält der Film vor dem Hintergrund widerhallender gesellschaftspolitischer Zusammenhänge ein Höchstmaß an Authentizität und seine natürliche Wirkkraft für die aktuelle Zeit. Da der Film dabei konsequent Noris Perspektive einnimmt, werden gesellschaftspolitische Fragen, Identitätssuche und familiäre Zerreißprobe gleichermaßen in den Fokus gestellt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit seinem universellen Charakter kommt der Film gerade richtig, in einer Zeit, in der wir aufgefordert sind, uns mit der gegenwärtigen Flüchtlingsproblematik auseinanderzusetzen. Fluchtursachen und -motive, Fluchtwege und -umstände, aber auch das Zusammenspiel von Tradition und Moderne in der alten wie in der neuen Heimat, können anhand des Films behandelt werden. Wie der Titel bereits suggeriert, ist „Babai“ (dt. mein Vater) aber mehr als ein Flüchtlingsfilm. Anhand der wirkungsvollen Vater-Sohn-Geschichte stellt er – ohne moralisch Position zu ergreifen – auch Fragen nach familiären Beziehungen, nach der eigenen Verantwortung und Lebensgestaltung, letztlich nach Zusammenhalt und Zwischenmenschlichkeit. Die Betrachtung der Ereignisse aus Noris Blickwinkel eröffnet parallel dazu die Konfrontation mit dem Erwachsenwerden und schließlich die Auseinandersetzung mit dem Wunsch und der Suche nach einem ganz normalen Leben.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Haußmann
,
10.02.2016
,
letzte Aktualisierung:
07.04.2016
Regie
Visar Morina
Buch
Visar Morina
Darsteller*innen
Vak Maloku, Astrit Kabashi, Adriana Matoshi, Enver Petrovci, Xhevedet Jashar, Alban Ukaj u.a.
Länge
104 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
missingFILMs
Festivals
(Auswahl) 33. Filmfestival München 2015: Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarsteller, One Future Prize; 50. International Filmfest Karlovy Vary 2015: Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Europa Cinema Label; 37. Filmfestival Max Ophüls Preis 2015; Bosphorus International Film Festival 2015: Bester Film, Bestes Drehbuch u.v.a.m