Inhalt
Der amerikanische Schriftsteller James Baldwin zählte zu den bedeutendsten Intellektuellen seiner Zeit. Ein Leben lang beschäftigte er sich mit Fragen von Rassismus, Sexualität und Identität, oft vermischte er seine scharfsinnigen Analysen der amerikanischen Gesellschaft mit persönlicher Erfahrung. In seinem Filmessay untermauert Regisseur Raoul Peck Zitate Baldwins mit teils spektakulärem Archivmaterial. So sieht man neben den bekannten Ikonen der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre auch die erschreckend hasserfüllten Proteste Weißer gegen staatliche Einschulungsprogramme zugunsten von Afroamerikanern/innen. Eine Grundthese Baldwins lautet: Der Rassismus der weißen Bevölkerungsmehrheit beruht, neben Ignoranz und Gleichgültigkeit, vor allem auf Angst.
Umsetzung
Sein Buch „Remember this House“ über die mit ihm befreundeten Bürgerrechtler Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers – alle drei wurden ermordet – konnte Baldwin zu Lebzeiten nicht fertigstellen. Nun dient es als Hauptquelle für die im Film verwendeten Zitate. Die begleitende Bildauswahl beschränkt sich nicht auf illustrierendes Nachrichtenmaterial oder Fernsehauftritte Baldwins, der als zugleich scharfzüngiger und sanftmütiger Redner sein Publikum in den Bann zog. Einen weiteren wichtigen Baustein bilden dessen Überlegungen zum Hollywoodfilm: Warum kamen Schwarze darin kaum vor? Warum identifizierte er sich nicht mit dem strahlenden Westernhelden John Wayne, sondern mit den von diesem totgeschossenen Indianern? So erzeugen die gezeigten Filmausschnitte und Baldwins Kommentar oft bittere Kontraste. Wie beiläufig eingestreute Beispiele heutiger Diskriminierung und Polizeigewalt gegen Afroamerikaner/innen belegen darüber hinaus die ungebrochene Kontinuität rassistischen Alltags.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Als Einstieg zur Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung liefert der Film eine Fülle von Material. Diskutiert werden können zum Beispiel die anfangs konträren Positionen von Martin Luther King und Malcolm X zum gewaltlosen Widerstand. Zur weiteren Analyse lohnt ein Blick auf die Biografie des in Haiti geborenen Filmemachers Peck, der in Baldwin ohne Zweifel ein Vorbild sieht.
Was macht dessen Thesen, im Kontext von Postkolonialismus und Globalisierung, aktuell? Der filmgeschichtliche Teil bietet darüber hinaus an, stereotype Darstellungen von Minderheiten in heutigen Filmen zu diskutieren – ob im Hollywood Kino oder dem deutschem Film.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Philipp Bühler
,
23.07.2020
,
letzte Aktualisierung:
06.11.2023
Regie
Raoul Peck
Buch
James Baldwin
Darsteller*innen
Mitwirkende: James Baldwin, Martin Luther King, Malcolm X, Sidney Poitier, Harry Belafonte, John Wayne, Doris Day u.a.; Sprecher der engl. Originalfassung: Samuel L. Jackson, Sprecher der deutschen Fassung: Sammy Deluxe
Länge
95 Min
Sprachfassung
englische Originalfassung, deutsche Fassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Edition Salzgeber
Festivals
Berlinale 2017: Panorama Publikumspreis; nominiert für den Oscar 2017 für den Besten Dokumentarfilm