Inhalt
„Ist Verliebtsein eigentlich eine Stressreaktion?“ Das fragen sich die 16-jährigen Schüler*innen nicht nur aus Interesse am Biologie-Unterricht. Die zurückhaltende Masha ist in ihren Mitschüler Sasha verliebt, der ihr jedoch kaum Aufmerksamkeit schenkt. Sie hält ihre Gefühle zurück, beginnt stattdessen einen Chat mit einem anonymen Instagram-Kontakt. Derweil entwickelt Mashas bester Freund Senia heimlich Gefühle für sie, will die platonische Vertrautheit mit ihr und der gemeinsamen Freundin Yana aber nicht gefährden. Außerdem stehen die Jugendlichen vor Entscheidungen: Nach dem Schulabschluss in der 11. Klasse finden Aufnahmeprüfungen für die Uni statt. Einige haben Zweifel, ob sie einen Studienplatz bekommen werden, andere, wie Sasha, leiden unter der angespannten Beziehung zu den Eltern. Gerade deshalb geht es auf den Partys auch ein wenig darum, die eigenen Grenzen auszutesten.
Umsetzung
STOP ZEMLIA ist das Spielfilm-Debüt der ukrainischen Regisseurin Kateryna Gornostai. Der Titel bezieht sich auf ein Kinderspiel, vergleichbar mit „Blinde Kuh“, und bedeutet in etwa: „Halt die Welt an“. Masha tastet bei dem Spiel einmal vergeblich mit geschlossenen Augen nach ihren Mitschüler*innen; der Wunsch, die Welt anhalten zu können, wird zum Symbol für das Gefühl der Jugendlichen in der intensiven Orientierungsphase. Die 33-jährige Gornostai, zuvor im Dokumentarfilm tätig, strebt nach Authentizität im Porträt der ihr nachfolgenden Generation Z. Sie hat die Figuren gemeinsam mit einer Gruppe junger Laiendarsteller*innen entwickelt. Interviews mit diesen Jugendlichen unterbrechen die Filmhandlung, wobei die Grenze zwischen Rollen und Darsteller*innen offen bleibt. Die Inszenierung schwankt zwischen klassischem Coming-of-Age-Stil (Figurennähe, Point-of-View-Einstellungen, Pop-Soundtrack) und den traumartig inszenierten Innenwelten von Masha.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Figurenzeichnung, abseits jeglicher Genre-Klischees, ist besonders gelungen und nah an der Zielgruppe des Films. Die Vermittlung sollte hier ansetzen und den Schülerinnen und Schülern in Gruppen Aufgaben für die Sichtung mitgeben: Was zeichnet Masha, Senia, Yana und Sasha aus und wie ist ihr Verhältnis zueinander und zu ihren Eltern? Dabei sollte die filmische Inszenierung der Figuren – etwa Mashas Blicke auf Sasha – mitdiskutiert werden. Für eine Nachbesprechung sind Mashas Fantasien, die Interview-Sequenzen sowie die titelgebende Spielszene interessant. Können sich die Schüler*innen in diesem Generationen-Porträt wiederfinden? Die beiläufigen Hinweise auf eine Gesellschaft im Krieg (Unterricht für Jungen an der Waffe) sind hier vermutlich eine auffällige Abweichung. Als Lernprodukt können die Schüler*innen Kurzrezensionen (Text/Video/Audio) oder Vergleiche mit ihren persönlichen Lieblings-Coming-of-Age-Filmen und -serien realisieren.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Jan-Philipp Kohlmann
,
18.07.2022
,
letzte Aktualisierung:
13.12.2023
Regie
Kateryna Gornostai
Buch
Kateryna Gornostai
Darsteller*innen
Maria Fedorchenko, Arsenii Markov, Yana Isaienko, Oleksandr Ivanov, Andrii Abalmazov u. a.
Länge
122 Min
Sprachfassung
Ukrainisch mit englischen und deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
déjà-vu film
Festivals
Internationale Filmfestspiele Berlin 2021: Gläserner Bär (Generation 14plus); Odesa International Film Festival 2021: Bester Film, Bester Ukrainischer Film, Bestes Schauspiel (Ensemble); Fünf Seen Filmfestival 2021: Bester Film; Taras-Schewtschenko-Preis 2022 (Nationalpreis der Ukraine für Kunst und Kultur) u.a.