Inhalt
Bart Bouman, David Stumpp und Jakob von Gizycki gehen im Jahr 2014 für drei Wochen auf eine Reise vom Bodensee an die französische Atlantikküste. Auf dieser Reise wagen sie ein Experiment, das ihre Freundschaft auf die Probe stellt: Inspiriert von den „Drei Affen“ („nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“) verzichten sie abwechselnd und nacheinander je eine Woche auf einen der drei Sinne Sehen, Hören und Sprechen. Als Rucksacktouristen gehen sie entweder zu Fuß oder fahren per Anhalter und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit ihren jeweiligen Handicaps werden alle alltäglichen Situationen zu Herausforderungen, die Selbstverständlichkeiten des Zusammenlebens sind aufgehoben. Die drei stoßen sowohl untereinander als auch in ihrer Umwelt immer wieder auf Unverständnis, machen aber auch wertvolle (Selbst-)Erfahrungen: „Das Leben ist ein Geschenk und jeder Sinn ist ein Geschenk.“
Umsetzung
„Drei von Sinnen“ ist durch den zeitlichen Ablauf klar strukturiert. Passend ist auch, dass die eigentlich einfache Versuchsanordnung der drei Freunde, die aber tiefgreifende Veränderungen für ihr Zusammenleben zur Folge hat, nicht durch filmische Experimente oder formale Spielereien überlagert wird. Und auch wenn es keinen klassischen Spannungsbogen gibt, bleibt es spannend: Konflikte werden offen dargestellt, bis hin zum Beinahe-Scheitern des Experiments – der Film zeigt intime Momente der Grenzerfahrung bzw. Hilfsbedürftigkeit, in denen einer für den anderen mehr da sein muss als anfangs erwartet. Die im Film sichtbaren und hörbaren Erlebnisse werden durch Off-Kommentare begleitet und oftmals auch kontrastiert. So werden fehlende Informationen nachgeliefert und innere Erlebnisse nachvollziehbar.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die drei Protagonisten liefern mit ihren Erlebnissen viele Gesprächsanreize, an die auch jüngere Zuschauer/innen problemlos anknüpfen können; es dürfte ihnen leicht fallen, die Versuchsanordnung des Experiments mit zu verfolgen. Der Film provoziert dabei keine übertriebenen Effekte, sondern lebt von der Bewältigung der Alltagssituationen unter völlig veränderten, selbstgewählten Bedingungen. Damit bietet er mehrere Themenkomplexe für die pädagogische Arbeit: Behinderung (und damit zugleich Inklusion), Freundschaft sowie Kommunikation: Ist es möglich, sich auf die gezeigte Art in behinderte Menschen hineinzuversetzen, diese besser zu verstehen, auch mit Blick auf Inklusion im Alltag? Ist also es wertvoll, eine solche Erfahrung selber zu machen, oder ist das eine „Verhöhnung“ der Menschen mit einem wirklichen Handicap, wie eine Passantin meint? Wie kann Kommunikation mit Personen mit verschiedenen Handicaps gelingen? Welche Mittel stehen dafür zur Verfügung? Wie entsteht Ausgrenzung? Welchen Stellenwert haben Hilfsbereitschaft und Freundschaft im Zusammenleben? Welche Rolle spielen neben den neuen körperlichen Bedingungen die neuen örtlichen und sprachlichen Umstände der Reise?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dr. Olaf Selg
,
22.05.2017
,
letzte Aktualisierung:
24.04.2020
Regie
Kerim Kortel
Buch
Idee und Konzept: Bart Bouman, David Stumpp und Jakob von Gizycki
Darsteller*innen
Mitwirkende: Bart Bouman, David Stumpp und Jakob von Gizycki
Länge
95 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digtal, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Artvid Productions
Festivals
Filmfestival Eindhoven: „Golden Wing Award 2016“ (bester Dokumentarfilm)