Inhalt
Die 30-jährige Blandine reist während der Olympischen Spiele 2024 aus der Normandie nach Paris. Eigentlich möchte sie die Schwimmwettkämpfe ihrer Lieblingssportlerin Béryl Gastaldello besuchen und ihre Halbschwester Julie wiedersehen, die sie seit zehn Jahren nicht getroffen hat. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft entwickelt sich die Reise anders als erwartet. Während Paris ganz im Zeichen der Olympischen Spiele steht, muss Blandine ihre Pläne immer wieder ändern. Sie verliert die Orientierung, muss ihre Unterkunft wechseln, begegnet Fremden und lernt ihre achtjährige Nichte Alma zum ersten Mal kennen. Zwischen Fan-Zonen, Wohnvierteln und den Straßen eines ungewöhnlich geschäftigen Sommers bewegt sie sich durch ein Paris, das zugleich überfüllt und merkwürdig einsam wirkt.EIN SOMMER IN PARIS erzählt weniger von den Olympischen Spielen als von den kleinen Begegnungen und Umwegen einer Frau, deren stille Eigenwilligkeit im Trubel der Stadt sichtbar wird.
Umsetzung
Valentine Cadics Spielfilmdebüt spielt im Kontext der Olympischen Spiele, ohne daraus einen Film über sportliche Höhepunkte zu machen. Fiktionale Szenen, dokumentarische Eindrücke, Handyaufnahmen und Bilder der Schwimmerin Béryl Gastaldello verbinden sich zu einer Erzählweise, in der das reale Ereignis spürbar bleibt. Entscheidend ist nicht die Größe des Spektakels, sondern wie Blandine sich darin bewegt. Die Inszenierung bleibt eng an Blandines Wahrnehmung gebunden: an ihren Blick, ihre Pausen, ihre direkte Art und ihre eigentümliche Offenheit. Komische Momente stellen Blandine nicht aus, sondern zeigen die Reibung zwischen ihrer Ehrlichkeit und den Erwartungen ihrer Umgebung. Auch die Musik von Saint DX vermeidet eindeutige emotionale Setzungen und hält den Film in einem schwebenden Ton. So entsteht ein Sommerfilm, der das Großereignis aus der Perspektive einer Frau erzählt, deren besondere Art im Alltag oft übersehen wird.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Blandines Reise regt Gespräche über Alleinsein, soziale Erwartungen und unterschiedliche Lebensentwürfe an. Dabei kann diskutiert werden, wie Menschen wahrgenommen werden, die sich gängigen Vorstellungen von Partnerschaft, Familie oder Zugehörigkeit entziehen. Die Olympischen Spiele erscheinen nicht nur als Fest des Sports, sondern auch als Eingriff in den städtischen Alltag. Sicherheitszonen, Proteste und die Verdrängung wohnungsloser Menschen zeigen, wie globale Großereignisse öffentliche Räume verändern und bestehende soziale Ungleichheiten sichtbar machen können. Schüler*innen können untersuchen, wer bei solchen Ereignissen mitgedacht wird und wessen Bedürfnisse an den Rand gedrängt werden. Filmsprachlich lässt sich untersuchen, wie der Film Blandines Innenwelt sichtbar macht, ohne sie zu erklären: durch Blicke, Pausen, Körperhaltung, komische Situationen und den Wechsel zwischen Spielszenen und dokumentarischen Bildern.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Cila Yakecã
,
01.06.2026
,
letzte Aktualisierung:
03.06.2026
Regie
Valentine Cadic
Buch
Mariette Désert; Valentine Cadic
Darsteller*innen
Blandine Madec, India Hair, Arcadi Radeff, Matthias Jacquin, Lou Deleuze, Béryl Gastaldello u. a.
Länge
77 Min
Sprachfassung
französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
eksystent filmverleih
Festivals
Berlinale 2025, Sektion Perspectives; Viennale 2025