Inhalt
Die Teenagerin Lea aus der Kleinstadt Greiz macht Musik mit ihrer besten Freundin Bonny, mitunter treten sie gemeinsam auf. Plötzlich taucht mitten im Unterricht ein Fernsehteam an ihrer Schule auf und verkündet Leas Teilnahme an einer Castingshow in München. Leas Vater Matze hat ihre Teilnahme gegen den Willen ihrer Mutter Rieke unterstützt. Ohnehin ist die Situation zwischen den Eltern sehr schwierig, weil Rieke von einem anderen Mann schwanger ist. Nähe und Halt findet Lea bei ihrer Tante Kati, die das Schlossmuseum leitet. Die neue Ausstellungskonzeption will verschiedene Lesarten der Vergangenheit – von der fürstlichen Residenzstadt über die Gründerzeit bis zur DDR und den Nachwendejahren – offenlegen. Damit stößt Kati einen Teil der Einwohner und auch ihre Mutter Christel vor den Kopf, die sich fühlt, als würde ihr Leben musealisiert. Christels Bitterkeit rührt auch daher, dass ihre Pension, die sie nach 1990 aus der Arbeitslosigkeit heraus aufgebaut hat, vor der Pleite steht.
Umsetzung
Die Zuschauer*innen werden sehr unvermittelt in den Film hineingeworfen, der sich zunächst als verwirrendes Beziehungsgeflecht einer Familie präsentiert, das sich erst nach und nach sortiert. Dabei werden mitunter wichtige Informationen nebenbei im Gespräch erwähnt, ohne im Bild gezeigt zu werden. Regisseurin Eva Trobisch stellt nicht eine*n Protagonist*in in den Mittelpunkt, sondern folgt den verschiedenen Familienmitgliedern. In multiplen Erzählsträngen, naturalistischen Bildern und ohne Erzählstereotype zu bemühen, gelingt es ihr, die komplexe Gemengelage einer alles andere als perfekten Familie aufzuzeigen. Die Situation der Menschen ist untrennbar mit der ihrer vogtländischen Heimatstadt verbunden. Die Biografien der Eltern und Großeltern weisen wendebedingt zahlreiche Brüche auf, die sich bis in die Gegenwart ziehen. Daraus resultieren diverse Konflikte zwischen den drei Generationen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film lädt dazu ein über Familienbeziehungen und die eigene Identität nachzudenken. Was würden die Schüler*innen auf die an Lea gestellte Frage antworten: „Wer bist du und was macht dich aus?“ Des Weiteren kann darüber diskutiert werden, inwiefern Familienleben inszeniert wird, sei es auf Fotos, bei Familienfeiern oder in den sozialen Medien. In diesem Zusammenhang bietet sich an, das Spannungsverhältnis zwischen der in der Spielfilmhandlung dargestellten Geschichte der Familie und der medial inszenierten Homestory für das Fernsehen zu analysieren. Auf der gesellschaftlichen Ebene kann gefragt werden, wie und durch welche filmischen Mittel der Film die aktuelle Situation Ostdeutschlands im Unterschied zu Westdeutschland charakterisiert bzw. inszeniert. Die Handlung wird mehrmals durch eine theatrale Inszenierung von Heinrich Heines Gedicht „Die schlesischen Weber“ unterbrochen: Welche Funktion erfüllt das im Film und warum könnte sich die Regisseurin gerade für dieses Gedicht entschieden haben?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dörthe Gromes
,
12.06.2026
,
letzte Aktualisierung:
23.06.2026
Regie
Eva Trobisch
Buch
Eva Trobisch
Darsteller*innen
Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Rahel Ohm u. a.
Länge
116 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Pandora Film
Festivals
(2026) Berlinale, Sektion Wettbewerb; Bolzano Film Festival; Neisse Film Festival