Filmplakat Die Blechtrommel

Die Blechtrommel

Deutschland, Frankreich 1978

Die filmische Adaption des Romans von Günter Grass durch den Regisseur Volker Schlöndorff gilt als ein Meilenstein der deutschen Filmgeschichte. Als einer der ersten deutschen Filme befasste sich "Die Blechtrommel" mit der Frage nach der deutschen Kriegsschuld. Vor allem die groteske Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Mitläufers in der Nazi-Diktatur gibt noch immer wichtige Denkanstöße, gerade in Zeiten eines wiedererwachten Nationalismus in Europa.

Genre

Literaturverfilmung

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Geschichte, Politik, Sozialkunde, Ethik, Religion

Themen

(Deutsche) Geschichte, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Individuum (und Gesellschaft), Außenseiter, Minderheiten, Intoleranz, Literaturverfilmung, Polen, Filmgeschichte, Filmklassiker

Kinostart

31.08.2020

Inhalt


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Schon bei seiner Geburt in Danzig 1924 ist Oskar Matzerath ein frühreifer und kritischer Beobachter. An seinem dritten Geburtstag bekommt er eine Blechtrommel geschenkt und beschließt, nicht mehr zu wachsen, um sich der verlogenen Erwachsenenwelt zu entziehen. Er stürzt sich die Kellertreppe hinab und bleibt fortan im Körper eines kleinen Jungen stecken, während er geistig zu einem jungen Mann reift. Mit anarchischer Energie nutzt er die Blechtrommel, um gegen Nazis und ihre Mitläufer zu protestieren. Zudem lässt er mit seiner Stimme Gläser zerspringen, etwa wenn er beobachtet, wie seine Mutter Agnes ihren deutschen Mann Alfred mit ihrem polnischen Cousin Jan betrügt. Im Zweiten Weltkrieg schließt sich Oskar einer Fronttheatertruppe aus Liliputanern an, die in Frankreich auftritt. Zurück im zerstörten Danzig beschließt er 1945, wieder zu wachsen. Mit seiner Stiefmutter Maria flieht er nach Westen.

Umsetzung


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"Die Blechtrommel", der als erster deutscher Film die Goldene Palme in Cannes und den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann, gilt als Meilenstein der deutschen Filmgeschichte. In seiner Adaption streicht Volker Schlöndorff, der mit Filmen wie "Michael Kohlhaas" (1969) und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) als Spezialist für Literaturadaptionen gilt, die Rahmenerzählung sowie den dritten und letzten Teil des Romans von Günter Grass. Passend zur Konzentration auf die Kindheits- und Jugendjahre des Protagonisten erzählt der Film vor allem mit Hilfe des Off-Kommentars und einer subjektiven Kamera weitgehend aus Oskars Perspektive. Auf der Basis einer realistischen Schilderung des kleinbürgerlichen Milieus nutzt die Inszenierung häufig Mittel der Groteske und der Farce für eine kritisch-satirische Darstellung der NS-Diktatur. So zeigt eine Schlüsselszene, wie Oskar mit der Trommel einen Nazi-Aufmarsch so lange sabotiert, bis die Teilnehmer von der Marschmusik zu einem Walzer wechseln.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Der Film bietet viele Ansatzpunkte, um die Faszination totalitärer Ideologien zu analysieren. Zudem können die Schüler*innen anhand der Figuren des Außenseiters Oskar und seines Nazi-Vaters die Ursachen des Mitläufer-Phänomens untersuchen. Inwiefern trägt auch Oskar als Mitglied eines Amüsierensembles für die Fronttruppen eine Mitschuld an deutschen Kriegsverbrechen? Die Figur der Großmutter Anna gibt Anlass zu einer Auseinandersetzung mit der diskriminierten slawischen Minderheit der Kaschuben. Wie kommt es, dass diese weder als Deutsche noch als Polen gelten? Im Fach Deutsch kann untersucht werden, wie Grass und Schlöndorff das Genre des Entwicklungs- und Schelmenromans variieren. Beim Vergleich der Erzählperspektiven in Roman und Film liegt die Frage nahe: Wie zuverlässig ist Oskar als Ich-Erzähler? In Zeiten der MeToo-Debatte werfen die Sexszenen, die der zwölfjährige Hauptdarsteller David Bennent damals mit erwachsenen Darsteller*innen absolvierte, viele Fragen für den Ethik-Unterricht auf. Warum könnte der Film heute mit Minderjährigen in dieser Form wahrscheinlich nicht mehr gedreht werden?

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Reinhard Kleber, 18.04.2020, letzte Aktualisierung: 28.07.2020

Regie

Volker Schlöndorff

Buch

Jean-Claude Carrière, Volker Schlöndorff, Franz Seitz nach dem gleichnamigen Roman von Günter Grass

Darsteller/innen

David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Berta Drews, Tina Engel, Roland Teubner, Tadeusz Kunikowski, Andréa Ferréol u. a.

Länge

142 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, Untertitel für Menschen mit Hörschädigung

Format

digitalisiert, Farbe

FSK

ab 16 Jahre

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

StudioCanal

Festivals

Filmfestspiele Cannes 1979: Goldene Palme für den besten Film; Deutscher Bundesfilmpreis 1979: Goldene Schale (bester programmfüllender Spielfilm); Oscar 1980 für den besten fremdsprachigen Film; Bodil Award als bester fremdsprachiger Film; National Board of Review: Bester fremdsprachiger Film, Goldene Leinwand

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