Filmplakat Lost in Face

Lost in Face

Deutschland 2019

Das Gesicht als wesentlicher Teil unseres Ichs ist der Spiegel unseres Selbst. Wir erwarten, dass man uns erkennt, wir lesen im Gesicht Emotionen ab, wir empfinden etwas beim Betrachten. Was macht der Mensch, dem all dies nicht möglich ist? Wie wird er wahrgenommen, wenn man sein Handicap nicht sehen kann? Das persönliche Porträt von Carlotta, die an Prosopagnosie leidet, stellt auf berührende Art Fragen zu Diversität, Wahrnehmung und gesellschaftliche Normen.

Genre

Dokumentarfilm, Biografie

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Kunst, Biologie, Deutsch, Psychologie, Ethik, Sozialkunde

Themen

Diversität, Wahrnehmung, bildende Kunst, Biografie, Wissenschaft, Evolution, Diskriminierung, Menschen mit Behinderung

Kinostart

30.09.2021

SchulKinoWochen

Inhalt


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Carlotta leidet seit ihrer Geburt an Prosopagnosie, Gesichtsblindheit. Sie kann keine Gesichter erkennen, nicht mal ihr eigenes. Im menschlichen Gehirn gibt es hinter dem rechten Ohr ein Areal, wo alle Gesichtsaspekte – der Abstand der Augen, die Breite des Mundes, die Bewegung der Mundwinkel – verarbeitet und dann zu einem Gesicht zusammengesetzt werden. Carlotta sieht die einzelnen Elemente, kann sie aber nicht zu einer Einheit zusammenfügen und somit Gesichter „lesen“. Sie sieht nur eine graue Fläche und viel schlimmer: sie sieht jedes Mal eine fremde Person. Der Neurowissenschaftler Valentin Riedl porträtiert Carlotta und ihr Leben, das von Geburt an von diesem Defizit gekennzeichnet ist. In der bildenden Kunst hat Carlotta ein Ventil dafür gefunden, mit gesellschaftlicher Ausgrenzung umzugehen. Sie ist Künstlerin und malt am liebsten – Selbstporträts.

Umsetzung


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In seinem Langfilmdebut hat der Regisseur sein wissenschaftliches Interesse an Prosopagnosie filmisch in eine leise und sensible Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen verarbeitet. Das klassisch angelegte, beobachtende Künstlerporträt, Carlottas Erzählungen, die knappen Gespräche mit dem Regisseur sowie die wenigen medizinischen Informationen werden strukturiert durch den Einschub kurzer Animationssequenzen. Schon beim fünfminütigen Animationskurzfilm CARLOTTAS FACE, entstanden 2015, schuf Riedl zusammen mit Frédéric Schuld eine visuelle Übersetzung von Carlottas Wahrnehmung. In Kombination mit Carlottas Stimme aus dem Off geben die außergewöhnlichen gezeichneten Animationen den Zuschauer*innen auf berührende Weise die Möglichkeit, zu assoziieren und die ständige Unsicherheit in Carlottas Sinneseindrücken und ihre lebenslange Isolation nachzuempfinden.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Zentraler Aspekt sollte sein, sich der eigenen Wahrnehmung bewusst zu werden und zu begreifen, wie sie zu absichtsvollem Handeln führt. Über diese Sensibilisierung kann die Beziehung Alltag-Kunst in den künstlerischen Fächern (künstlerische Sichtweisen, mimisches Repertoire, Ausdruckskraft von Körperteilen, Stimme/Maske als Requisit) und in gesellschaftswissenschaftlichen Fächern (Normen/Diversität/ Selbstverständlichkeit der Wiedererkennung/ Fremdheit und Vertrauen) genauer untersucht werden. Die Animationssequenzen kann man als Übersetzungsmöglichkeit innerer Vorgänge analysieren. Künstlerische Machart und das Bild-Ton-Verhältnis können durch eigene Visualisierung von abstrakten Begriffen oder philosophischer Zitate selbst ausprobiert werden. Die kombinierten Genres können filmgeschichtlich und formal untersucht werden. Der Dokumentarfilm verbindet Wissenschaft mit Künstlerporträt, Filmbiografie und Animation.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Eva-Maria Schneider-Reuter, 17.02.2021, letzte Aktualisierung: 01.09.2021

Regie

Valentin Riedl

Buch

Valentin Riedl

Darsteller/innen

Mitwirkende: Carlotta u. a.

Länge

84 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ohne Altersbeschränkung

Verleih

Cine Global

Festivals

2020 (Auswahl): Filmfestival Max Ophüls Preis: Publikumspreis Bester Dokumentarfilm sowie Beste Musik im Dokumentarfilm; Bergen International Film Festival: Golden Owl Award für den Best Science Film; Deutscher Dokumentarfilmpreis: Bestes Debüt – Förderpreis Haus des Dokumentarfilms; Internationales Frauenfilmfestival: Beste Bildgestaltung für Doro Götz

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