Inhalt
Rainer ist ein erfolgreicher Boulevardfernsehmacher, der mit dümmlichen Sensationsshows Quote macht. Verwöhnt vom Erfolg und gelangweilt vom Betrieb, überspielt er jeden Selbstzweifel. Er lenkt sich mit schnellen Autos und Drogen ab, bis er eines Tages bei einem Autounfall nur knapp dem Tode entgeht. Nach seiner Genesung beginnt er, das ganze Ausmaß des Fernsehirrsinns zu begreifen. Rainer entschließt sich, mit seiner Vergangenheit zu brechen und versucht, anspruchsvolles Fernsehen zu machen. Er scheitert an der Einschaltquote, kündigt und taucht ab. Mit einer Gruppe von gesellschaftlichen Außenseitern entwickelt er einen Plan, um das Problem an der Wurzel zu lösen: Sie manipulieren die Messgeräte der Einschaltquote so, dass qualitativ gute Informations- und Bildungsprogramme bei der Messung immer besser abschneiden. Eine TV-Kulturrevolution bricht an. Aber die Mächtigen der Branche geben nicht kampflos auf.
Umsetzung
In fließenden Übergängen zwischen Satire, Persiflage, Parodie und Realität entwickelt sich die spannend inszenierte Erzählung mit Anleihen bei Komödie, Drama und Action-Krimi in einem die Genres subversiv unterlaufenden Stil. Mit den Mitteln der satirischen Überhöhung und einer Dramatisierung vertrauter Medienrealität bewirkt die Inszenierung spielerisch Déjà-Vu-Erlebnisse wie Verfremdungseffekte. Dem dienen die Zeichnung der sowohl Identifikation und Distanz gleichermaßen ermöglichenden Gut-und-Böse-Figuren, insbesondere die "Katharsis" zur "Menschwerdung" des Protagonisten. Kontrastierend und pointierend eingesetzt werden in diesem Zusammenhang sich wandelnde Schauplätze und Farbgebungen sowie langsamer werdende Schnittrhythmen und fließendere Kamerabewegungen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Wie das Engagement gegen soziale Ungerechtigkeit in "Die fetten Jahre sind vorbei" spricht auch hier die unkonventionell-idealistische, anarchische Vorgehensweise gegen die "geistige Ungerechtigkeit" (Weingartner) der Fernsehverdummung Schüler/innen unmittelbar an. Die Protagonisten vertreten eine gute Sache mit Witz, sie laden zur Identifikation ein. Indem der Appellcharakter des Films zum Nachdenken über die dargestellten Verhältnisse in der Mediengesellschaft auffordert, ermuntert er den einzelnen gleichzeitig auch zu kritischem Medienhandeln. Anknüpfungspunkte für ältere Schüler/innen bietet zum einen die Erarbeitung der "kathartischen" Wendung der Hauptfigur im Kontrast zur Gegenfigur. Zum anderen führt die Analyse der filmischen Mittel zu Fragen satirischer, realistischer und auch utopischer Darstellungsweisen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Middel
,
23.09.2007
,
letzte Aktualisierung:
05.10.2016
Regie
Hans Weingartner
Buch
Hans Weingartner, Katharina Held
Darsteller*innen
Moritz Bleibtreu, Else Sophie Gambard, Milan Peschel, Simone Hanselmann, Gregor Bloéb, Franziska Knuppe, Josef Heynert u. a.
Länge
129 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Kinowelt
Festivals
Empfehlung des Arbeitskreises Filmbildung (AKF), Internationales Filmfestival San Sebastian (Wettbewerb)