Inhalt
Die 59-jährige Heike steht beruflich unter Dauerstress: Als Objektleiterin einer Münchner Gebäudereinigungsfirma jongliert sie täglich mit personellen Engpässen, organisatorischen Herausforderungen und der unzufriedenen Kundschaft. Zwischen administrativem Druck und dem Zwang, aufgrund von akutem Personalmangel selbst zum Wischmop zu greifen, agiert Heike oft barsch. Gleichzeitig zeigt sie sich Menschen gegenüber aber auch immer wieder loyal. Als sie einen illegal beschäftigten Arbeiter des Subunternehmers Vadym fest anstellen möchte, um ihm eine bessere Bleibeperspektive in Deutschland zu verschaffen, gerät sie in ein moralisches Dilemma: Der Subunternehmer droht mit dem Abbruch der Zusammenarbeit, es sei denn, Heike sichert ihm mehr Arbeitsstunden zu. Um das zu ermöglichen, muss sie jedoch eine andere Reinigungskraft entlassen – und dafür einen triftigen Kündigungsgrund finden.
Umsetzung
Das Erzähltempo ist von Beginn an hoch, die ungeschönte Erzählweise fordernd: Eine agile Handkamera folgt Heike durch ihren Berufsalltag und macht die Hektik der Reinigungsbranche unmittelbar spürbar. Nahe Einstellungen erzeugen Intimität, dennoch ist Heike durch ihre ruppige Art und ihre teils ambivalenten Handlungen keine klassische Identifikationsfigur. Visuell unterstreicht eine kühle Farbpalette in Blau- und Grüntönen die emotionale Kälte dieser Arbeitswelt, während der bewusste Verzicht auf einen Score den dokumentarischen Charakter des Films verstärkt. Die Authentizität wird dadurch untermauert, dass das Ensemble aus Laiendarsteller*innen besteht und die Protagonistin selbst in der Reinigungsbranche arbeitet. Erst gegen Ende, als Heike beginnt, sich aus dem lähmenden Leistungsdruck zu befreien, bricht auch die Farbgestaltung auf und lässt in wärmeren Tönen Raum für neue Perspektiven und Hoffnung.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet eine gute Basis, um über die Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor zu sprechen. Heike sitzt als Objektleiterin zwischen den Stühlen – an ihrer Position lässt sich analysieren, wie wirtschaftlicher Druck nach unten weitergegeben wird und in systemischer Ausbeutung münden kann. Ethisch liefert das Drama Zündstoff für Debatten über moralische Grauzonen, sowie über Grenzen und Möglichkeiten individueller Selbstbestimmung. Ästhetisch erzeugt das Zusammenspiel aus Handkamera, kühler Farbgestaltung und dem Verzicht auf Filmmusik eine beklemmende Authentizität. Beobachtende Sequenzen, die Heike oft nur von hinten zeigen, spiegeln die Anonymität dieses „unsichtbaren“ Dienstleistungssektors wider und machen die Seherfahrung bewusst distanziert und fordernd. Die nachträgliche Auflösung im Unterricht, dass das Ensemble aus Laiendarsteller*innen besteht, eröffnet einen spannenden Ansatzpunkt, um die Konstruktion von filmischer Realität kritisch zu reflektieren.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ula Brunner
,
22.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
26.05.2026
Regie
Kilian Armando Friedrich
Buch
Kilian Armando Friedrich, Tünde Sautier, Daniel Kunz
Darsteller*innen
Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang u. a.
Länge
90 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
liegt noch nicht vor
Verleih
Real Fiction Filmverleih
Festivals
76. Internationale Filmfestspiele Berlin