Inhalt
Regisseurin und Schauspielerin nehmen uns als Zuschauende mit hinein in die nachgestellte letzte Wohnung Ingeborg Bachmanns in Rom: Wir verfolgen einen Tag im Leben der Autorin als Reenactment – eine improvisierte Annäherung an sie als Künstlerin, als Frau, als Verzweifelte, Verliebte und um Worte Ringende: Alltag und Arbeit, mühsamer Zwang zu Schreiben damals ebenso wie nachempfundene heiter-beschwingte Ausflüge heute mit ihren Texten im Ohr. Wir erfahren in biographischem Bild- und Tonmaterial von der Kriegskindheit über ihr Studium als „Provinz-Mädchen“ in Wien bis zum literarischen Ruhm im Deutschland der Nachkriegszeit. Liebesbeziehungen mit drei berühmten Künstler-Männern, Sehnsucht, Abhängigkeit, Krankheit, Sucht und Verzweiflung steigern sich bis zu ihrem Tod. Bachmanns Äußerungen zur Kriegserfahrung und einen Auschwitz-Besuch ergänzen eigene Lesungen ihrer Texte, führen zu persönlichen und literarischen Brüchen im Schaffen und Wirken und zu ihrer heutigen Aktualität.
Umsetzung
Reiches Archivmaterial zum Leben und Ruhm der Autorin und ihres Umfelds, insbesondere männlicher bewertender Kollegen, bieten ein anschauliches Zeitspektrum deutscher Nachkriegsliteratur und ihrer Wirkung bis heute. Interviews und Bachmanns eigene Texte – teils von ihr selbst vorgetragen, teils im Off von Sandra Hüller – schaffen große Nähe zu Stil und Haltung der Künstlerin, ohne sie auszustellen. Gender- und Machtfragen stehen dabei mit erschreckender (historischer) Selbstverständlichkeit im Zentrum. Die eigene, auch im Untertitel zitierte Distanz der Autorin zu sich selbst, wird künstlerisch überzeugend umgesetzt durch die mitvollziehbare Verkleidung der Schauspielerin in die Figur. Der fiktionale Tag als Einheit bietet eine verdichtende Brücke zwischen all den Material- und Zeitebenen dieser hybriden dokumentarischen Form.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Dramaturgie des Reenactments, der zeitlichen/örtlichen Einheit und der Footage-Montage als filmerzählerische Mittel können in ihrer Absicht und Wirkung im Detail herausgearbeitet und diskutiert werden. Der Vergleich zu anderen Künstler*innen-Biografien und Porträts, sowie die Konzeption eigener Biografien mit adäquaten (film)künstlerischen Tools bietet sich an. Dies führt auch zu inhaltlichen Reflexionen über Fremdzuschreibungen, Selbstbild und literarisches Schaffen sowie Erfolg der Autorin, ihr Schreiben als Sucht, und Kunst auch als Leiden in einem „normalen Alltag“. Die Analyse von Bachmanns Texten unter biografischer/ästhetischer Perspektive unterstützt dies mit dem Fokus auf überzeitliche Themen wie Identität, Macht, Schmerz, Liebe, Erforschung und Transformation von erlebter Realität, auch Traumata. Dazu kann zu den im Film genannten Künstlern und Lebenspartnern Celan, Henze, Frisch und deren Werken recherchiert werden, evtl. deren Briefwechsel mit der Autorin aufgegriffen werden. Im besten Falle lädt all dies Schüler*innen zu eigenem Schreiben ein, auch im Blick darauf: Was leisten unterschiedliche literarische Formen als Abbild von persönlicher und gesellschaftlicher Erfahrung?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Cornelia Hermann
,
11.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
26.05.2026
Regie
Regina Schilling
Buch
Regina Schilling
Darsteller*innen
Sandra Hüller
Länge
102 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe und schwarz-weiß
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Weltkino Filmverleih
Festivals
DOK.fest München 2026