© Weltkino 2026

Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war

Deustschland, Österreich 2026

Der facettenreiche Film verweist überzeugend auf das vielschichtige Werk der Porträtierten und über sie hinaus auf Macht-, Gender- und Identitätsfragen. Er nähert sich der Arbeit und dem Geheimnis der Person Ingeborg Bachmanns auch im Blick auf die damalige und heutige Gesellschaft und lässt Kunst einmal mehr als vorausschauend und wegweisend erscheinen. In Bachmanns und Schillings/Hüllers Fall spendet sie dabei gleichermaßen Trost wie Mut.

Genre

Dokumentarfilm mit Spielfilmelementen

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Kunst, Psychologie, fächerübergreifend: Berufsorientierung

Themen

Künstler*innenbiografie, Gender/Geschlechterrollen, Macht, Identität, Selbst- und Fremdbild, Individuum (und Gesellschaft), Kunst, Literatur, mentale Gesundheit, Nachkriegsliteratur, Gruppe 47, Künstler*innen

Kinostart

25.06.2026

Regisseurin und Schauspielerin nehmen uns als Zuschauende mit hinein in die nachgestellte letzte Wohnung Ingeborg Bachmanns in Rom: Wir verfolgen einen Tag im Leben der Autorin als Reenactment – eine improvisierte Annäherung an sie als Künstlerin, als Frau, als Verzweifelte, Verliebte und um Worte Ringende: Alltag und Arbeit, mühsamer Zwang zu Schreiben damals ebenso wie nachempfundene heiter-beschwingte Ausflüge heute mit ihren Texten im Ohr. Wir erfahren in biographischem Bild- und Tonmaterial von der Kriegskindheit über ihr Studium als „Provinz-Mädchen“ in Wien bis zum literarischen Ruhm im Deutschland der Nachkriegszeit. Liebesbeziehungen mit drei berühmten Künstler-Männern, Sehnsucht, Abhängigkeit, Krankheit, Sucht und Verzweiflung steigern sich bis zu ihrem Tod. Bachmanns Äußerungen zur Kriegserfahrung und einen Auschwitz-Besuch ergänzen eigene Lesungen ihrer Texte, führen zu persönlichen und literarischen Brüchen im Schaffen und Wirken und zu ihrer heutigen Aktualität.
Reiches Archivmaterial zum Leben und Ruhm der Autorin und ihres Umfelds, insbesondere männlicher bewertender Kollegen, bieten ein anschauliches Zeitspektrum deutscher Nachkriegsliteratur und ihrer Wirkung bis heute. Interviews und Bachmanns eigene Texte – teils von ihr selbst vorgetragen, teils im Off von Sandra Hüller – schaffen große Nähe zu Stil und Haltung der Künstlerin, ohne sie auszustellen. Gender- und Machtfragen stehen dabei mit erschreckender (historischer) Selbstverständlichkeit im Zentrum. Die eigene, auch im Untertitel zitierte Distanz der Autorin zu sich selbst, wird künstlerisch überzeugend umgesetzt durch die mitvollziehbare Verkleidung der Schauspielerin in die Figur. Der fiktionale Tag als Einheit bietet eine verdichtende Brücke zwischen all den Material- und Zeitebenen dieser hybriden dokumentarischen Form.
Die Dramaturgie des Reenactments, der zeitlichen/örtlichen Einheit und der Footage-Montage als filmerzählerische Mittel können in ihrer Absicht und Wirkung im Detail herausgearbeitet und diskutiert werden. Der Vergleich zu anderen Künstler*innen-Biografien und Porträts, sowie die Konzeption eigener Biografien mit adäquaten (film)künstlerischen Tools bietet sich an. Dies führt auch zu inhaltlichen Reflexionen über Fremdzuschreibungen, Selbstbild und literarisches Schaffen sowie Erfolg der Autorin, ihr Schreiben als Sucht, und Kunst auch als Leiden in einem „normalen Alltag“. Die Analyse von Bachmanns Texten unter biografischer/ästhetischer Perspektive unterstützt dies mit dem Fokus auf überzeitliche Themen wie Identität, Macht, Schmerz, Liebe, Erforschung und Transformation von erlebter Realität, auch Traumata. Dazu kann zu den im Film genannten Künstlern und Lebenspartnern Celan, Henze, Frisch und deren Werken recherchiert werden, evtl. deren Briefwechsel mit der Autorin aufgegriffen werden. Im besten Falle lädt all dies Schüler*innen zu eigenem Schreiben ein, auch im Blick darauf: Was leisten unterschiedliche literarische Formen als Abbild von persönlicher und gesellschaftlicher Erfahrung?
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Cornelia Hermann , 11.05.2026 , letzte Aktualisierung: 26.05.2026

Regie

Regina Schilling

Buch

Regina Schilling

Darsteller*innen

Sandra Hüller

Länge

102 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

digital, Farbe und schwarz-weiß

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

Weltkino Filmverleih

Festivals

DOK.fest München 2026

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