Inhalt
Der Begriff Sechswochenamt bezieht sich in manchen katholischen Gegenden auf eine Messe, die sechs Wochen nach dem Tod oder dem Begräbnis eines Menschen für ihn gelesen wird. Ein Ritual, das helfen soll, den Verlust zu verarbeiten. Doch Lore aus dem ländlichen Erkelenz, deren Mutter am Anfang des Films stirbt, findet keinen Trost in den althergebrachten Ritualen. Schließlich war ihre Mama auch eher unkonventionell. Außerdem hat gerade die Corona-Pandemie begonnen, die alles sicher Geglaubte über den Haufen wirft. Also gestaltet Lore die Traueranzeige bunt und nutzt ein rechtliches Schlupfloch, um dem deutschen Friedhofszwang zu entgehen und den Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen. In ihrer Familie, allen voran bei ihrer herzlichen, aber recht bärbeißigen Oma Inge, stößt sie jedoch mit dieser Art zu trauern auf Unverständnis. Auch von ihrer Schwester Sophie erhält sie keine Unterstützung. Für Lore beginnt mit dem Tod ihrer Mutter eine Zeit ohne festen Rückkehrtermin in die „Normalität“.
Umsetzung
SECHSWOCHENAMT zeigt in nüchternen und im Alltag verwurzelten Bildern das ganze Prozedere nach dem Tod: die Bürokratie, die Wohnungsauflösung, die Beileidsbekundungen und vieles mehr. Regisseurin Jaqueline Jansen geht dafür in ihrem Debütfilm an alltägliche Orte wie ein Hospiz, ein Bestattungsinstitut oder eben die Wohnung der Mutter in einem Mietshaus. Gleichzeitig verkompliziert die beginnende Corona-Pandemie die ohnehin schon schwierige Situation. Die Menschen gehen nicht nur räumlich, sondern auch emotional auf Abstand. Viele lassen ihre Trauer gar nicht erst zu, sondern begegnen ihr mit Floskeln. Der Realismus des Films entfaltet eine starke emotionale Wucht. Es wird deutlich, dass es nicht die eine, richtige Art zu trauern gibt. Getragen wird das Werk von der kraftvollen Präsenz der Schauspielerin Magdalena Laubisch, die in jeder Szene zu sehen ist.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Tod und Verlust betreffen jedes Lebensalter, gleichzeitig wird das Ende des Lebens oft tabuisiert. Der Film zeigt, was früher oder später auf jede*n zukommt: Abschied von einem Angehörigen nehmen zu müssen und dessen letzte Angelegenheiten zu regeln. Der Tod wird als normaler Teil des Lebens gezeigt. Anhand des Filmes kann mit den Schüler*innen über verschiedene Bestattungsmöglichkeiten und – rituale gesprochen werden. Auch kann man diskutieren, wozu Friedhöfe gut sind und warum es in Deutschland einen Bestattungszwang gibt: Braucht die Trauer einen Ort? Welche traditionellen, individuellen oder auch kulturell verschiedenen Wege gibt es, mit Trauer umzugehen? Wichtig ist auch, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Schüler*innen Trauernden begegnen können. Nicht zuletzt lässt sich analysieren, wie Lores Seelenzustand in Filmbilder übersetzt wird, etwa wenn sie gedankenverloren durch den Supermarkt streift oder ihr sogar in der Sonne kalt ist.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dörthe Gromes
,
26.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
02.06.2026
Regie
Jaqueline Jansen
Buch
Jaqueline Jansen
Darsteller*innen
Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Markus Forg-Thelen u. a.
Länge
103 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Piffl Medien
Festivals
(2025) Filmfest München: Beste Schauspielerin für Magdalena Laubisch, FIPRESCI-Award; Cork International Film Festival