Inhalt
Die temperamentvolle Tänzerin Elena unterrichtet gehörlose Jugendliche. Dabei lernt sie den humorvollen Gebärdensprachdolmetscher Dovydas kennen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und spüren eine schöne Vertrautheit. Sie treffen sich wieder, lachen über die gleichen Dinge und entdecken ihre Seelenverwandtschaft. Doch als die sexuell aktive Elena auch seine körperliche Nähe sucht, zieht Dovydas sich zurück und erklärt ihr, dass er asexuell ist, also kein Verlangen nach Sex empfindet. Auch wenn es beiden schwerfällt, wollen sie die romantische Beziehung, die sich so schnell vertieft hat, nicht aufgeben. Sie versuchen, die Grenzen des anderen zu respektieren und auf die Bedürfnisse und Sehnsüchte einzugehen. Störerfahrungen, Enttäuschungen und Rückschläge bleiben dabei nicht aus, doch die Liebenden lassen sich nicht so schnell entmutigen und testen mögliche Kompromisslinien aus.
Umsetzung
Asexualität ist ein Thema, das anders als der Zölibat (IM NAMEN DES …, Polen 2012) oder sexuelle Inaktivität infolge von Entwicklungsstörungen (ELLING – NICHT OHNE MEINE MUTTER, Norwegen 2003) in Kinospielfilmen bisher kaum behandelt oder diskutiert wurde. Die litauische Regisseurin Marija Kavtaradze setzt die Thematik mit viel Fingerspitzengefühl und einem scharfsinnigen Blick für psychologische Feinheiten um, wobei sie jeglichen Voyeurismus oder Sentimentalität vermeidet. Wie der Titel signalisiert, setzt der Film auf ein gemächliches Tempo und lässt den beiden Hauptfiguren viel Zeit für die Erkundung ihrer romantischen Beziehung, wobei die Handkamera oft in Nahaufnahmen Intimität generiert. SLOW verzichtet zudem auf überraschende Wendungen und dramatische Zuspitzungen. Als dramaturgischer Kontrapunkt zu den dialogreichen Szenen fungieren Elenas expressive Tanzchoreografien.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Elena ist mit wechselnden Sexualpartnern zufrieden, Dovydas strebt eine stabile Partnerschaft an und braucht keinen Sex. Daran lässt sich eine Diskussion über herkömmliche Rollenbilder, Liebeskonzepte und Geschlechteridentitäten sowie gesellschaftliche Vorstellungen von (hetero-) normativem Sexualverhalten anknüpfen. Während Elena zeitweise wegen seiner Zurückweisung an ihrer Attraktivität zweifelt, fürchtet Dovydas, sie immer wieder zu enttäuschen. Vor diesem Hintergrund kann im Unterricht untersucht werden, wie sich Menschen mit falschen Erwartungen und vorschnellen Interpretationen selbst im Weg stehen können – trotz ihrer hohen emotionalen Intelligenz. Im Film spielt nonverbale Kommunikation eine große Rolle. Elena drückt ihre Gefühlslagen im Tanz aus, Dovydas übersetzt für die Gehörlosen per Gebärdensprache. Warum können wir uns nonverbal oft einfacher und zielführender verständigen als mit Worten? Mehrere gefühlvolle Rockpopsongs wurden ebenso wie der Filmscore eigens für den Film komponiert. Mit welchen musikalischen Gestaltungsmitteln unterstützen sie die einfühlsame Atmosphäre der Inszenierung?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
16.02.2024
,
letzte Aktualisierung:
01.03.2024
Regie
Marija Kavtaradze
Buch
Marija Kavtaradze
Darsteller*innen
Greta Grinevičiūtė, Kęstutis Cicėnas, Pijus Ganusauskas, Laima Akstinaitė, Vaiva Zymantaite u. a.
Länge
108 Min
Sprachfassung
litauische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Salzgeber
Festivals
(2023) Filmfestival Sundance: Regiepreis; Les Arcs Film Festival: Preis Flèche de cristal; Tallinn Black Nights Film Festival: Preis als beste Produzentin im Baltic Film Competition für Marija Kavtaradze