Inhalt
Die eigenwillige Rancherin Tabatha hat ein besonderes Talent im Umgang mit Pferden. Auf ihrer großen maroden Ranch in den Badlands des US-Bundesstaates South Dakota trainiert sie Pferde und verkauft diese auf Auktionen und über TikTok. Doch die Einnahmen sind auf Dauer zu gering, um sich und ihre Kinder über Wasser zu halten. Zumal die Witwe überdies einige Jugendliche aufgenommen hat, die auch beim Einreiten der Pferde helfen. Auch privat steht Tabatha unter Druck. Während sie den Freitod ihres Mannes John noch nicht verkraftet hat, gibt die aufsässige, ebenfalls unter dem Verlust leidende Teenager-Tochter Porshia ihr die Schuld daran. Eines Tages bietet der zugereiste Unternehmer Roy an, die Farm zu kaufen, wobei sie und ihre Familie dort weiter bleiben könnten. Doch ist Tabatha bereit, ihre Unabhängigkeit aufzugeben?
Umsetzung
Es ist das semidokumentarische Landfilmdebüt der Regisseurin Kate Beecraft, für das sie mehrere Jahre den Alltag von Tabatha und Porshia Zimiga begleitet hat. Mutter und Tochter spielen in fiktional erweiterter Form sich selbst, ebenso die Teenager, die auf der Ranch leben. Nur Scoot McNairy und Jennifer Ehle, die Roy und Tabathas Mutter Tracey darstellen, sind professionelle Schauspieler*innen. Der Einsatz von Laiendarsteller*innen verstärkt die authentische Anmutung der Inszenierung. Die beobachtenden Szenen sowie die Kameratotalen auf das unwirtliche Hügelland wirken meist lebendiger als die Dialogszenen des kargen Plots. Der narrative Hauptstrang wird gelegentlich durch poetische Off-Kommentare ergänzt, die Einblick in Porshias Seelenleben gewähren. Auf der visuellen Ebene sorgt das Bildhochformat der Instagram-Posts für zusätzliche Dynamik, während auf der musikalischen Ebene schwungvolle Popsongs in einigen Sequenzen die Stimmung effektvoll untermalen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Pferdeliebhaberin Tabatha kann als femininer Gegenentwurf zum mythisch aufgeladenen Bild des Cowboys interpretiert werden. Porshia hat ihr feines Händchen für ungestüme Pferde geerbt, hat sie doch mehrfach Reitwettbewerbe gewonnen. Nimmt man einige Rodeoszenen hinzu, können auf breiter Basis postmoderne Männlichkeitsbilder, Genderstereotype und weibliche Emanzipation erörtert werden. Die außergewöhnliche Patchwork-Konstellation hinterfragt zugleich herkömmliche Familienmodelle – etwa in der Nebenhandlung um den Jugendlichen Jesse, der wegen zu vieler Fehltage in der Schule vor Gericht erscheinen muss. Wie hoch das Stresslevel für die Familienmutter ist, zeigt eine Nebenhandlung um ihren jüngsten Sohn Stetson, der unter einer Spracherwerbsstörung leidet. In mehrfacher Hinsicht erinnert die Inszenierung an das Westerndrama THE RIDER (USA 2017), das ebenfalls im verarmten South Dakota spielt. Mit welchen Gestaltungsmitteln evozieren die beiden Filme die Folgen der wirtschaftlichen Misere? Die Figur der Tabatha erinnert zugleich an DER PFERDEFLÜSTERER (USA 1998). Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Porträts einfühlsamer Pferde-Kenner*innen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
25.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
03.06.2026
Regie
Kate Beecroft
Buch
Kate Beecroft
Darsteller*innen
Tabatha Zimiga, Porshia Zimiga, Scoot McNairy, Jennifer Ehle u. a.
Länge
98 Min
Sprachfassung
englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Filmwelt Verleihagentur
Festivals
Sundance Filmfestival 2025: Publikumspreis