Inhalt
Die Flotte der Hochseefischer war einst der Stolz der DDR. Nach der Wende wurde das „VEB Fischkombinat“ abgewickelt – die Schiffe verkauft oder verschrottet. Heute existieren nur noch wenige dieser stählernen Kolosse – gigantische Zeugen einer vergangenen (Arbeits-)Welt. Einge Schiffe fahren unter anderer Flagge immer noch als Fischereiboote über die Ozeane. Andere wurden zu neuen Orten des Zusammenlebens für jüngere Generationen. Der Regisseur Tom Fröhlich hat vier Schiffe der einst hunderten aufgespürt – vor Grönland, in Hamburg, auf einem dänischen Schrottplatz und in einem spanischen Hafen. Ihre Geschichten bergen Stoffe für großes Kino: Sie erzählen vom Wandel der Zeiten, von Heimat auf hoher See oder der zivilen Seenotrettung an den Grenzen Europas, von Drogenschmuggel und von einer Künstlergruppe, die aufbrach, an Bord der alten Schiffe neue Lebensträume zu verwirklichten. Ein Stück DDR-Geschichte und die Frage, was bleibt.
Umsetzung
Die Geschichten der vier Schiffe und die der Menschen, die sie auf neue oder alte Art (um)nutzen, werden in einzelnen Erzählsträngen miteinander verwoben. Dabei verzichtet der Film auf große geschichtliche Einordnungen und beschränkt sich auf wenige prägnante Daten zu den Schiffen: Name, Größe, Ladekapazitäten, Einsatzorte. Die Spannung entfaltet sich aus der Beobachtung der Menschen – litauische Matrosen beim Fischfang oder Hamburger Jugendliche beim Tanzen, Aktivist*innen bei der Seenotrettung im Mittelmeer oder Idealist*innen, die ihren Traum vom Erhalt eines der historischen Schiffe der DDR nach vielen Jahren aufgeben mussten. Die tranceartige Musik unterstützt die mal nostalgischen, mal bildgewaltigen, mal beobachtenden Bilder von Schifffahrt und Stillstand, im Hafen, auf hoher See oder auf dem Schrottplatz. Die traditionellen Shantys eines Fischerchor setzen Rahmen und einen Kontrapunkt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Dem Film gelingt es, anhand eines konkreten, spannenden und bildstarken Themas wie dem der ehemaligen Fischereiflotte der DDR ein Gefühl für Wandel, Transformation und Bestand zu vermitteln – und damit von Geschichte. Die Lebenswege der Schiffe machen die Systemumbrüche auf der Makroebene sichtbar. Die gebrochenen Biografien der Menschen, die sich im Verlauf des Filmes entfalten, laden zur Auseinandersetzung mit verschiedenen gesellschaftlichen Arbeits- und Lebensrealitäten auf der Mikroebene ein. Damit unterstützt der Film auch ein Verständnis für die (Gefühls-) Lage der Menschen nach den Umbrüchen in der ehemaligen DDR im Zuge der Wiedervereinigung. Auf der filmästhetischen Ebene eignet sich die Auseinandersetzung mit der Musik (diegetisch versus extradiegetisch), die dem Film einen Rhythmus gibt und der Wahrnehmung eine Richtung. Auch Blick auf die besondere Art der Geschichtsvermittlung jenseits von Erklärtexten kann wertvolle Diskussionen in die Klasse tragen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Melanie Rohde
,
25.06.2026
,
letzte Aktualisierung:
25.06.2026
Regie
Tom Fröhlich
Buch
Tom Fröhlich
Länge
91 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
jip film & verleih
Festivals
(2025) DOK.fest München; Filmkunstfest Mecklenburg Vorpommern; Kinofest Lünen; Husumer Filmtage; Nordische Filmtage Lübeck; Kasseler Dokfest; Filmfest Bremen 2026