Inhalt
Während die Sonne bei 39,2 Grad auf den Asphalt knallt, ziehen die Neu-Abiturientinnen Ramona und Nico planlos durch Berlin. Erst kicken sie eine Konservendose vor sich her, dann zerdeppern sie das Fenster des Nachbarn mit einer Zwille. Als pädagogische Sofortmaßnahme sollen die beiden auf den seltenen Vogel des Mannes aufpassen. Doch das Tier entwischt durch die offene Käfigtür. Dann läuft auch noch Ramonas jüngerer Bruder Noah im Streit weg und geht im Trubel einer Klima-Demo verloren. Also suchen die Freundinnen zu Fuß die umliegenden Straßen ab. Im Park, auf einem Filmset oder in einem Hotel treffen sie zufällig auf unterschiedliche Menschen, diskutieren miteinander, sprechen über Insekten, das Universum, die Zukunft – und finden dabei ein kleines Stück mehr zu sich selbst.
Umsetzung
Die Autorin und Regisseurin Sorina Gajewski inszeniert den sommerlichen Streifzug mit viel Unmittelbarkeit. Wie bei anderen Mumblecore-Filmen klingen die Jugendsprache-Dialoge oft technisch unsauber, improvisiert und dadurch echt. Und wie die Werke der Nouvelle Vague spielt das unter anderem mit Jazzmusik unterlegte Coming-of-Age-Debüt viel auf der Straße, wo kleine Beobachtungen oft unerwartet verzaubern. Stilmittel wie Jump Cuts, Reißschwenks oder die beim Laufen verwackelte Handkamera ziehen ins Geschehen, Schlieren über den Bildern machen die Hitze spürbar. Allmählich verdichten sich die Nebensächlichkeiten zu einem gut beobachteten Porträt der Generation Z. Erst wirken die Heranwachsenden desillusioniert und völlig antriebslos. Letztlich suchen die angeblichen „Nulpen“ aber nach einem tieferen Sinn im Leben – und nach Geborgenheit.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Eine Analyse kann herausstellen, durch welche Mittel die flirrende Atmosphäre des Films entsteht. Relevant dafür sind neben dem Soundtrack auch Stimmungsbilder wie ein überkochender Topf oder Seifenblasen auf der Straße. Und ein symbolisches (Traum-)Bild zeigt die Protagonistinnen in der Natur. Welche Wirkung erzeugt das? Besprechenswert ist auch die Dynamik zwischen Ramona und Nico, die aus verschiedenen Milieus stammen und unterschiedliche Temperamente haben. Ramona ist deutlich impulsiver, was auch zu Streit führt. Weitere Impulse liefert die Darstellung der Gen Z zwischen Sinnsuche, Zukunftsangst und (Klima-)Aktivismus. „Wir sind die Generation, die die Welt retten muss,“ findet Noah. Wie ordnen die Schüler*innen diesen Satz ein? Und wie beantworten sie Ramonas Frage, wozu Demonstrationen gut sein sollen? In dem Kontext ist auch die kurz gezeigte Jungen-Bande diskussionswürdig, die einen Anschlag auf eine Klima-Demo vorhat. Nicht zuletzt fällt eine Besonderheit der Vorspann-Credits auf: Unter der Formel „Ein Film von“ steht der gesamte Filmstab. Was verrät das über Gajewskis Idee vom Filmemachen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
29.05.2026
,
letzte Aktualisierung:
02.06.2026
Regie
Sorina Gajewski
Buch
Sorina Gajewski
Darsteller*innen
Bella Lochmann, Pola Geiger, Rio Kirchner, Marc Philipps, Carl Bagnar, Katrine Eichberger, Marisa Wojtkowiak, Lara-Sophie Milagro u. a.
Länge
81 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
UCM.ONE
Festivals
Max Ophüls Preis 2025; achtung berlin – new berlin film award 2025: lobende Erwähnung – Bestes Drehbuch; Goldener Spatz 2025: Bestes Drehbuch; Zlín Film Festival 2025; Giffoni Film Festival 2025; Neiße Filmfestival: lobende Erwähnung; LUCAS – Internationales Festival für junge Filmfans 2026 u. v. a. m.