Inhalt
Der Dokumentarfilm begleitet den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg in den Jahren rund um seinen hundertsten Geburtstag. Albrecht Weinberg wurde 1925 in eine jüdische Familie in Ostfriesland geboren und überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen. Er wanderte mit seiner Schwester – der fast einzigen Überlebenden seiner Familie – in die USA aus, wo die beiden sechzig Jahre gemeinsam lebten. Gesundheitliche Probleme bringen die Geschwister im hohen Alter schließlich zurück nach Ostfriesland – obwohl Albrecht Weinberg sich geschworen hatte, nie mehr nach Deutschland zurückzukehren. Dort lebt er mit seiner engen Freundin, der ehemaligen Altenpflegerin Gerda, zusammen in der „ältesten WG Deutschlands“ und engagiert sich als Zeitzeuge gegen das Vergessen.
Umsetzung
Der Film arbeitet mit verschiedenen subtilen, aber deutlichen Kontrastierungen: Er verbindet dokumentarische Aufnahmen und Interviews aus den letzten Lebensjahren von Albrecht Weinberg mit persönlichem und historischem Archivmaterial; die Erzählung springt immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Dabei werden Albrecht Weinbergs innere Ambivalenzen und Konflikte, die den Prozess der Annäherung an seine frühere Heimat begleiten, auch filmisch sichtbar gemacht: Beispielsweise, wenn von der Feier seines hundertsten Geburtstags direkt zu seinem Erinnerungsbericht des Todesmarsches aus Auschwitz geschnitten wird. Albrecht Weinberg verweigert sich zudem einfacher oder instrumentalisierender Versöhnungsgesten und zeichnet ein klares Bild von den Auswirkungen, die die nationalsozialistische Verfolgung und Gewalt bis heute auf ihn haben – gleichzeitig stehen die Offenheit und Wärme, mit der er auf die Menschen in seinem Umfeld zugeht, im Mittelpunkt des Films.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet keine eindeutige „Botschaft“, sondern vielmehr die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit den lebenslangen Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung auf die Überlebenden – dabei überfordert er nicht emotional, aber flüchtet sich auch nicht in reine Versöhnungsnarrative. Er eignet sich aufgrund der Kindheitserzählungen von Albrecht Weinberg auch besonders, um die frühe Phase des nationalsozialistischen Regimes und die zunehmende Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland zu thematisieren. Darüber hinaus bieten die Aspekte Auswanderung und Rückkehr Gelegenheit, die mitunter schmerzhaften Ambivalenzen des Themas „Heimat“ zu besprechen. Die Arbeit von Albrecht Weinberg als Zeitzeuge und seine Begegnungen mit Schüler*innen sind außerdem anschlussfähig für die Thematisierung von eigenen Erfahrungen und Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden bzw. ihren Geschichten. Die ruhige, beobachtende Kamera und der Verzicht auf kommentierende Einordnungen laden dazu ein, die Wirkung dokumentarischer Gestaltungsmittel zu untersuchen und zu diskutieren, wie Nähe und Vertrauen zum Protagonisten entstehen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Eva Hasel
,
07.08.2026
,
letzte Aktualisierung:
21.08.2026
Regie
Güner Yasemin Balci, Jesco Denzel
Buch
Güner Yasemin Balci, Jesco Denzel
Darsteller*innen
Mitwirkende: Albrecht Weinberg, Gerda Dänekas
Länge
92 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
mindjazz pictures