Inhalt
Seit ihrer Kindheit werden die Schwestern Mahya und Zahra und später auch ihre jüngere Schwester Maleka von ihrem Onkel, dem Filmemacher Massoud Bakhshi, mit der Kamera begleitet. Von 2007 bis 2025 verfolgt der Dokumentarfilm ihren Alltag in Teheran zwischen Familienleben, Spielen und Schule. Mit steigendem Alter verändern sich Leben und Selbstverständnis der Mädchen: Kopftuchpflicht, konservative Erziehung und die moralisch aufgeladenen Erzählungen der Großmutter prägen ihre Wahrnehmung und ihren Übergang ins Jugendalter. Der Film folgt den Schwestern bis ins junge Erwachsenenalter und zeigt, wie sie sich zwischen familiären Konflikten und persönlicher Entwicklung zunehmend kritisch mit ihrer gesellschaftlichen Rolle auseinandersetzen. In einer zweiten Zeitebene schauen die inzwischen erwachsenen Schwestern die früheren Aufnahmen an und kommentieren ihr damaliges Leben. So verschränkt der Film Vergangenheit und Gegenwart und setzt die Erfahrungen der Kinder mit den Perspektiven der jungen Frauen in Beziehung, zu denen sie herangewachsen sind.
Umsetzung
ALL MY SISTERS ist eine Langzeitdokumentation, die Aufnahmen aus verschiedenen Lebens- und Entwicklungsphasen der Schwestern zu einer über Jahre gewachsenen Erzählstruktur verbindet. Der Film zeigt sie in alltäglichen Situationen und schafft große Nähe zu ihren kindlichen und jugendlichen Perspektiven. Die Kamera bleibt meist auf Augenhöhe und verzichtet weitgehend auf kommentierende Eingriffe. Das Material umfasst unterschiedliche Aufnahmeformate, von professionellen Aufnahmen bis zu mobilen Geräten, und nimmt so teilweise den Charakter eines privaten Familienarchivs an. Eine zentrale Struktur bildet die reflexive zweite Ebene: Die erwachsenen Schwestern betrachten frühere Aufnahmen und kommentieren ihr damaliges Verhalten, wodurch der Film seine eigene Entstehung mitreflektiert. Gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen im Iran erscheinen indirekt über Alltagsbeobachtungen und -erfahrungen, mediale Hintergrundgeräusche und familiäre Dynamiken.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Im Unterricht kann untersucht werden, wie sich Identität unter familiären Erwartungen und gesellschaftlichen Normensystemen formt und wie sich politische Haltung und Widerstand entwickeln. Die Schüler*innen können nachvollziehen, wie sich die Wahrnehmung der Protagonistinnen über mehrere Lebensphasen hinweg verändert und wie der Film diesen Prozess durch die Gegenüberstellung von Kindheits- und Gegenwartsmaterial sichtbar macht. Besonders eignet sich eine Analyse der Langzeitbeobachtung als filmische Form sowie der selbstreflexiven Struktur, in der die Protagonistinnen das Archivmaterial von sich sehen und kommentieren. Filmsprachlich kann untersucht werden, wie durch Handkamera, Nähe zu den Protagonistinnen und die daraus entstehende Homevideo-Ästhetik Intimität erzeugt wird. Wie wird zugleich durch Montage und die Rahmung als „Film im Film“ eine reflektierende Distanz zur eigenen Biografie aufgebaut? Zudem kann analysiert werden, wie Bakhshi mit optischen Tricks arbeitet, um mit staatlicher Kontrolle über die Sichtbarkeit von Frauenkörpern im Film umzugehen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: GAH
,
24.06.2026
,
letzte Aktualisierung:
24.07.2026
Regie
Massoud Bakhshi
Buch
Massoud Bakhshi
Darsteller*innen
Mitwirkende: Zahra, Mahya, Maleka u. a.
Länge
81 Min
Sprachfassung
persische Originalfassung mit deutschem Voice-Over; deutsche u. engl. Untertitel
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Little Dream Pictures
Festivals
International Documentary Film Festival Amsterdam 2025; Diagonale 2026; Marrakech International Film Festival; Luxembourg City Film Festival