Inhalt
Cyril versteht die Welt nicht mehr. Bisher hat der Elfjährige beim Vater gelebt. Plötzlich wohnt er im Kinderheim, der Vater ist unbekannt verzogen und mit ihm Cyrils heißgeliebtes Fahrrad. Um den Verschwundenen zu suchen, reißt Cyril aus und lernt die Friseurin Samantha kennen. Sie organisiert nicht nur das Fahrrad zurück, sondern nimmt ihn fortan am Wochenende zu sich und macht sogar den Vater ausfindig. Doch der stößt den Sohn zurück. Die fehlende Anerkennung erhält Cyril schließlich von Wes, einem Vorstadtganoven. Dieser nutzt den Jungen allerdings aus und setzt ihn bei einem Überfall ein, der schief geht. Wieder ist es Samantha, die Cyril aus der Klemme hilft. Aber vor der Wut der Opfer kann sie ihn nicht schützen. Er muss selbst einen Weg finden, mit Enttäuschungen und Konflikten umzugehen.
Umsetzung
In ihrem achten Film knüpft das belgische Regieduo Jean-Luc und Pierre Dardenne an den sozialen Realismus der Vorgänger an (zuletzt Lornas Schweigen, 2008): Wieder kreist die Geschichte um eine Figur in schwierigen sozialen Verhältnissen und spielt an realen Schauplätzen. Nüchterne Beobachtungen von Cyrils Handlungen mit Blick für Details legen dessen Verzweiflung mit visuellen Mitteln offen. Neben Großaufnahmen, die kleinste Regungen sichtbar machen, fallen zahlreiche Kamerafahrten auf, die die rastlose Suche des Jungen einfangen. Durch die sparsame Verwendung von Musikeffekten, stechen die wenigen Momente, in denen ein paar Takte aus Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 erklingen, umso mehr heraus: Sie reißen den Zuschauenden kurz aus dem Geschehen und markieren Wendepunkte, deren Emotionalität durch die Musik verstärkt wird.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Dardenne-Brüder beschreiben ihren Film als modernes Märchen und Samantha als gute Fee. Ob der Ausgang des Films jedoch als glücklich im Sinne eines konventionellen Happy End zu bezeichnen ist, bleibt Ansichtssache. Die Aussage der Regisseure kann also im Deutsch- oder Französisch-Unterricht diskutiert werden - sowohl in Bezug auf den Inhalt des Films als auch auf typische formale Bausteine eines Märchens. Des Weiteren liefert der Film keine psychologischen Erklärungen für das Verhalten der Figuren. Es bietet sich an, diesen Aspekt im Fach Ethik oder Religion zu vertiefen: Welche Motive könnten Cyrils Vater und Samantha antreiben? Welche von Cyrils Aktionen sind verständlich, welche nicht? Als herausragendes Beispiel für sozialen Realismus eignet sich der Film zudem, um sich im Kunstunterricht mit dieser Strömung des europäischen Autorenkinos zu beschäftigen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Marguerite Seidel
,
16.01.2012
,
letzte Aktualisierung:
09.01.2019
Regie
Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Buch
Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Darsteller*innen
Thomas Doret, Cécile De France, Jérémie Renier, Egon Di Mateo, Fabrizio Rongione
Länge
87 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Alamode Film
Festivals
Internationale Filmfestspiele von Cannes 2011: Großer Preis der Jury, Europäischer Filmpreis 2011: Bestes Drehbuch