© mindjazz pictures 2026

Eine Krankheit wie ein Gedicht

Deutschland 2026

Jelena besucht ihren Vater und filmt die Treffen. Er ist psychisch krank, lebte lange Zeit in der forensischen Psychiatrie und wird nun entlassen. Sie versucht, die Krankheit des Vaters zu verstehen und sich dieser, gemeinsam mit ihrem Vater, zu stellen. Der sehr persönlich gehaltene Dokumentarfilm zeichnet sich durch seine vorurteilsfreie und künstlerische Herangehensweise aus und macht so auch Betroffenen oder Angehörigen in ähnlichen Situationen Mut, ohne zu belehren.

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Kunst, Ethik, Psychologie

Themen

Familie, Krankheit, Erinnerung, Identität, Selbstwahrnehmung, Kunst

Kinostart

08.10.2026

„Drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp.“ So lautet die exakte Diagnose von Detlef. Er hat eine Straftat begangen, befindet sich seit einiger Zeit im Maßregelvollzug in der forensischen Psychiatrie. Seine Tochter Jelena besucht ihn und filmt ihre Treffen. Die Krankheit des Vaters hat tiefe Spuren in ihrem Leben hinterlassen. Sie ist hin- und hergerissen, als die Entlassung ihres Vaters in ein betreutes Wohnprojekt bevorsteht. Gemeinsam mit ihrem Vater will sie mehr über seine Krankheit erfahren und diese besser verstehen. Anhand von Fotos blickt sie zurück in die Vergangenheit, in ihre Kindheit, ihre Erinnerungen an die Zeit mit ihrem Vater, in dessen Leben. Sie interviewt ihren Vater (und lässt sich auch von ihm befragen), begleitet ihn bei seiner ersten Zeit in der Freiheit, ist an seiner Seite, als ihn erst eine tiefgreifende depressive Phase und schließlich eine weitere Erkrankung aus der Bahn zu werfen droht.
Jelena Ilić erzählt in ihrem Dokumentarfilm eine sehr persönliche Geschichte, wobei sie im Rahmen der Filmproduktion ganz unterschiedliche Rollen einnimmt: sie ist Regisseurin, Tochter, Interviewerin und Protagonistin zugleich. Ihr Film ist vor allem ein Versuch, die Krankheit des Vaters zu verstehen, aber auch, anderen dadurch Mut zu machen. Dem Nicht-Darstellbaren nähert Ilić sich mit künstlerischen Mitteln: Neben Gesprächen und dokumentarischen Aufnahmen nutzt sie Animationen, Zeichnungen, Skulpturen und verfremdete Fotografien, um Gefühle und Ängste sichtbar zu machen. Masken und Darstellungen von „Monstern“ symbolisieren die Krankheit und die Unsicherheit im Umgang damit. Auch Schauplätze werden bedeutungsvoll. Dunkle, enge Innenräume vermitteln Beklemmung, während Wald und Meer Freiheit ausstrahlen.
Durch die persönliche, sehr ehrlich und nah wirkende Herangehensweise baut EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT Barrieren beim Nachdenken und Sprechen über psychische Erkrankungen und damit in Verbindung stehende konfliktbelastete familiäre Beziehungen ab. Die Schüler*innen können anhand des Films diskutieren, wie Angehörige mit Ängsten und Unsicherheit umgehen und welche Rolle Nähe und Abgrenzung dabei spielen. Darüber hinaus kann der Film Anlass geben, über Teilhabe, gesellschaftliche Ausgrenzung und Bedingungen für eine Wiedereingliederung erkrankter Menschen zu sprechen. Interessant ist auch eine Auseinandersetzung mit der filmischen Form, insbesondere der Animationen und Verfremdungseffekte, und insgesamt mit der Wirkung subjektiver Erzählweisen in Dokumentarfilmen.
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Stefan Stiletto, 17.09.2026, letzte Aktualisierung: 21.09.2026

Regie

Jelena Ilić

Buch

Jelena Ilić

Darsteller*innen

Detlef Kissel, Jelena Ilić, Sladjana Ilić u. a.

Länge

88 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

mindjazz pictures

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