Inhalt
Berlin, Sommer. Die Sonne schiebt sich über die Dächer der Stadt, wo die siebzehnjährige Jessie und ihr Freund Lux die Nacht ausklingen lassen. Dann fällt Jessie. Und während man meinen könnte, dass die Welt in diesem Moment stehen bleibt, geht alles seinen gewohnten Lauf. Auch das Leben derer, die bleiben: Jessies Mutter Ella, ihre kleine Schwester Melli, ihr Freund Lux. Ein Jahr später sind alle, so gut es geht, zu einem Alltag zurückgekehrt. Was von Jessie bleibt, sind Fotos, Videos vergangener Urlaube, Chats, Sprachnachrichten und eine spürbare Leerstelle. Auf eine zufällige Begegnung von Ella und Melli mit Lux folgt eine Annäherung der drei und der Beginn einer gemeinsamen Suche – nach einem Umgang mit dem Verlust, nach einer Antwort auf die Frage, was passiert ist und wie es weiter gehen kann. Das Trio, das sich um Jessies Abwesenheit formt, findet sich in Teneriffa wieder. Dort erleben sie, wie Erinnerung und Bilder der Vergangenheit zu Gegenwart werden, wie die Zeit stehen bleibt, wenn sich inneres Erleben über die äußere Welt legt. Ob Wirklichkeit, Traum oder Vorstellung: Was wäre, wenn es doch möglich wäre, die eine Welt zu verlassen und eine andere zu betreten?
Umsetzung
EVERYTIME erzählt das Dazwischen, Alltägliches, fernab des Dramatischen. Die realistische, dokumentarisch anmutende Darstellung der Welt vor und nach Jessies Tod wird durch zwei weitere Bildebenen ergänzt: die verpixelte Hügellandschaft eines Sandbox-Spiels und verbildlichte Erinnerungen in Form von Fotos und dem Urlaubsvideo. Die Kamera beobachtet immer wieder aus großer Distanz, suchend, zunächst als hilflose Zeugin des Unheils, später als unsichtbare Einheit, die über allem zu schweben scheint. Zunehmend werden Verschiebungen spürbar: Bilder, Einstellungen, Sätze wiederholen sich und formatieren sich neu. Stimmen vergangener Gespräche klingen aus dem Off, die Musik schwankt zwischen diegetisch und extradiegetisch und bricht abrupt ab. So entstehen kleine Risse in der Erzählung, die sich, im zweiten Teil des Films, gänzlich neu ordnet. Die zunächst voneinander getrennten Bildebenen verschmelzen zu einer (surrealen) Welt - ein Spiel mit Erinnerungen und den Möglichkeiten des filmischen Erzählens.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Trauer ist individuell, unberechenbar, nicht-linear. Die Lücke, die der Tod eines Menschen hinterlässt, bleibt. EVERYTIME bietet einen Einstieg in dieses Thema: Die drei Figuren verbindet die Trauer über den Verlust von Jessie, doch unterscheidet sich ihr inneres Erleben davon. In einem Austausch über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Hauptfiguren können sich die Schüler*innen der Frage annähern, was Trauer bedeuten und wie ein Umgang damit aussehen kann. Eine Analyse der drei Bildebenen des Films eröffnet einen Austausch über filmästhetische, erzählerische und inhaltliche Aspekte des Films: Die äußere Realität, das Videospiel (als Welt ohne feste Regeln, die von den Spieler*innen gestaltet wird), das Urlaubsvideo und die Fotos als verbildlichte Erinnerung. Zunächst können die Schüler*innen die Merkmale der einzelnen Bildebenen herausarbeiten und darauf aufbauend deren Bedeutung für die Erzählung reflektieren. Anschließend stellt sich die Frage, welche Verschränkungen der Bildebene im zweiten Teil des Films stattfinden und welche Bedeutungen diese für die Erzählung und die Wahrnehmung der Figuren hat.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Anna Eberhardt
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letzte Aktualisierung:
03.08.2026