Filmplakat Ich, Capitano

Ich Capitano

Italien, Belgien 2024

Die jugendlichen Seydou und Moussa verlassen ihre Heimat im Senegal, um in Europa ihren Traum von einem besseren Leben zu verwirklichen. Doch die Reise gerät zu einer von Gewalt geprägten Odyssee. Mit Laiendarsteller*innen gedreht, gelingt dem italienischen Regisseur Matteo Garone eine intensive und authentisch wirkende Darstellung des brutalen Umgangs mit schutzbedürftigen Menschen auf den Fluchtrouten durch die Sahel-Zone.

Originaltitel

Io Capitano

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Politik, Sozialkunde, Ethik, Erdkunde, Kunst, Deutsch, Religion, fächerübergreifend: Demokratiebildung

Themen

Flucht/Geflüchtete, kulturelle Identität, Heimat, Migration, Menschenrechte/-würde, Gewalt, Erwachsenwerden

Kinostart

04.04.2024

Inhalt


mehr Info

Die beiden 16-jährigen Seydou und Moussa wollen ihren Traum von einem besseren Leben in Europa verwirklichen. Mit Gelegenheitsarbeiten haben sie sich Geld zusammengespart. Allen Warnungen, etwa von Seydous Mutter, zum Trotz verlassen sie ihre Heimat in Dakar. Mit dem Bus geht es zuerst vom Senegal durch Mali an die Grenze zu Niger. Fortan wird die Reise zum Albtraum. Gefälschte Pässe und die Bezahlung von Schmugglern fressen ihr Erspartes fast vollständig auf und bei der Fahrt von Agadez nach Libyen werden sie einfach in der Sahara abgesetzt. Als sie es endlich zur libyschen Grenze geschafft haben, wird ihnen von Milizen ihr restliches Geld abgenommen. Sie werden getrennt, Seydou gerät in Gefangenschaft und wird gefoltert. Mit Hilfe eines anderen älteren Gefangenen gelingt es ihm, freizukommen. In Tripolis trifft er Moussa wieder, der schwer verletzt ist, weil er bei der Flucht angeschossen wurde. In einem verrosteten Kahn, den Seydou selber navigieren muss, überqueren sie mit vielen anderen Geflüchteten an Bord das Mittelmeer. Als Capitano wächst Seydou über sich hinaus und bringt alle unversehrt nach Sizilien.

Umsetzung


mehr Info

Matteo Garrone hat aus mehreren Berichten von migrierenden und flüchtenden Menschen in Afrika die Geschichte von Seydou und Moussa gebaut. Da ihm die Authentizität sehr wichtig war, sollten sich die Regie und andere Gewerke hinter der Kamera möglichst zurückhalten. Auch vor der Kamera schlug sich diese Vorgehensweise nieder: Seydou und Moussa sowie weitere Figuren werden von Laiendarsteller*innen verkörpert. Im Kontrast zur größtmöglichen Authentizität setzt der Film zweimal Traumsequenzen ein, die Visionen von Seydou einer alternativen Wirklichkeit visualisieren. Der Film folgt Seydou und Moussa auf ihrem Weg durch mehrere afrikanischen Länder in der Sahelzone bis zur Hafenstadt Tripolis in Libyen und auf ihre Überfahrt bis Sizilien. Wie es den beiden in Europa ergehen wird, wird ausgespart. Positiv fällt auf, dass der Senegal nicht nur als „Krisenland“ gezeigt wird. Die Kinder gehen in die Schule und sie haben Spaß beim Sabar, dem traditionellen Tanz der Wolof.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


mehr Info

Da der Film einige Szenen enthält, die sehr belastend und (re-)traumatisierend sein können, wird für die Sichtung eine sensible Vorabkommunikation empfohlen. Anhand der Route, die Seydou und Moussa nehmen, können im Unterricht geografische Aspekte thematisiert werden. Diese lassen sich mit politischen und gesellschaftlichen Kontexten und Fakten verbinden. Dabei ist auf Ausgewogenheit und Genauigkeit zu achten. Denn die extreme Gewalt, die Seydou und Moussa auf ihrer Odyssee durch mehrere afrikanischen Länder widerfährt, kann schnell das stereotype Bild von einem Afrika als Krisenkontinent bedienen. Narrativ und ästhetisch kann der Film in einem Genrekontext als Coming-of-Age-Drama wahrgenommen werden, das der erschreckenden Realität des Geschehens utopisch-fantastische Traumsequenzen und die abschließende Emporhebung von Seydou zum heroischen Capitano gegenüberstellt. Mit einer solchermaßen ästhetischen Perspektive kann über das Wechselverhältnis von filmischer Fiktion und empirischer Wirklichkeit im Kontext von Migrationsdar-stellungen reflektiert werden.

Hinweise

Content Note: Der Film enthält einige gewaltvolle Szenen, darunter Folter, die sehr belastend und (re-)traumatisierend sein können. Es bedarf daher vor der Sichtung einer sensiblen Vorabkommunikation Bedürfnisse der Schüler*innen müssen von Lehrer*innen berücksichtigt werden, eine freiwillige Teilnahme an der Filmsichtung muss ermöglicht werden.

Veranstaltungen


mehr Info

Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Dr. Thomas Klein, 22.03.2024, letzte Aktualisierung: 17.04.2024

Regie

Matteo Garrone

Buch

Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri

Darsteller*innen

Seydou Sarr, Moustapha Fall, Isssaka Sawagodo, Hichem Yacoubi u. a.

Länge

124 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, Originalfassung in Englisch und Französisch

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

X-Verleih

Festivals

Internationale Filmfestspiele Venedig 2023: Silberner Löwe für Matteo Garrone (Regie), Preis als bester Nachwuchsdarsteller an Seydou Sarr, Oscar-Nominierung als Bester Internationaler Film

Impressum
Sitemap
Datenschutz