Filmplakat Nur ein Augenblick

Nur ein Augenblick

Deutschland, Großbritannien 2019

Als Karims Bruder Yassir in Syrien in ein Foltergefängnis verschleppt wird, beschließt Karim, Yassir aus dem Kriegsgebiet zu retten. Seine schwangere Freundin Lilly bleibt besorgt und zunehmend verzweifelt in Hamburg zurück, wo Karim seit fünf Jahren studiert und sich ein Leben aufgebaut hat. Randa Chahoud erzählt von den traumatischen Erfahrungen von Menschen im Krieg nicht als stilles Drama, sondern im Rahmen einer spannenden Geschichte.

Originaltitel

The Accidental Rebel

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Politik, Geschichte, Ethik, Psychologie

Themen

Krieg/Kriegsfolgen, Trauma, Konflikt/Konfliktbewältigung, Gewalt, Folter, Geflüchtete, Familie, Heimat

Kinostart

06.08.2020

Inhalt


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Fünf Jahre ist es her, seit Karim aus der syrischen Hafenstadt Latakia zum Studieren nach Hamburg emigrierte. Damals zog der Arabische Frühling auf, heute wütet in seiner Heimat ein nicht enden wollender Bürgerkrieg. Karim hat sich unterdessen in Hamburg eingelebt. Seine isländische Freundin Lilly ist schwanger, Karim studiert mit seinem Kumpel Max und ist auch sonst bestens integriert. Doch während seine Eltern unterwegs nach Deutschland sind, um den Sohn endlich zu besuchen, bricht Karim gen Syrien auf, um seinen verschollenen älteren Bruder Yassir zu suchen, der mit einer Rebellengruppe gegen das Assad-Regime kämpft. Auf der Suche nach ihm gerät Karim mitten in die Kriegshandlungen und macht traumatische Erfahrungen. Parallel bangen Lilly und Karims Eltern in Hamburg um das Leben des jungen Manns.

Umsetzung


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In ihrem ambitionierten Kinodebüt verpackt die Autorin und Regisseurin Randa Chahoud ein wichtiges zeitgeschichtliches Thema in eine spannende, wenn auch nicht gänzlich überzeugende (Genre-) Erzählung. Der internationale Titel „The Accidential Rebel“ gibt einen Hinweis darauf, dass Karim eher durch Zufälle als bewusste Entscheidungen von den Kriegswirren verschluckt wird. Chahoud wechselt mehrfach die Tonalität des Dramas, das parallel zu Karims Kriegserlebnissen Lillys Schicksal in Hamburg zeigt. So oszilliert der mit Thriller-Motiven gespickte Film irgendwo zwischen Kriegs-, Beziehungs- und Rachedrama. Zu einigen eindrücklichen Bildern gesellen sich Klischees, zumal der schwermütige und dunkel ausgeleuchtete Film die zahlreichen Konflikte schon aufgrund der thematischen Fülle nur oberflächlich behandeln kann. Das Ergebnis wirkt in den in Hamburg spielenden Szenen etwas gestelzt, wirft aber interessante ethisch-moralische und politische Fragen auf.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Zunächst bietet der Film einen Anlass, den 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg in Syrien zeitgeschichtlich einzuordnen. Anhand von Karims Schicksal kann benannt werden, wie traumatische Kriegserfahrungen das Leben Betroffener beeinflussen. Ein vor dem Abspann eingefügter Interview-Mitschnitt, in dem ein syrischer Journalist die Folgen des Kriegs auf Einzelne plastisch schildert, kann als Ausgangspunkt dienen, den Blick auf das reale Schicksal Geflüchteter zu lenken. Welche konkreten Erlebnisse bewirken die innere Veränderung Karims und wie äußert sich das Trauma, als er schließlich wieder in Hamburg ankommt? Anfangs erklärt Karim, dass Lilly „versteht, warum ich bin, wer ich bin“ – nach der Rückkehr ist das Verhältnis durch Karims Sprachlosigkeit gestört. Eine filmästhetische Analyse kann den dramaturgischen Aufbau des gedrittelten Films und die unterschiedliche stilistische Gestaltung der Schauplätze in Hamburg und Syrien untersuchen, die an ähnliche Kontraste aus den Filmen von Fatih Akin erinnert, z. B. „Solino“ (2002), „Gegen die Wand“ (2003) oder „Auf der anderen Seite“ (2007).

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Christian Horn, 05.08.2020, letzte Aktualisierung: 05.08.2020

Regie

Randa Chahoud

Buch

Randa Chahoud

Darsteller/innen

Mehdi Meskar, Emily Cox, Jonas Nay, Amira Ghazalla, Husam Chadat u. a.

Länge

108 Min

Sprachfassung

Originalfassung in Deutsch, Englisch, Arabisch, mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 16 Jahre

Verleih

farbfilm verleih

Festivals

Max-Ophüls-Preis 2020: Preis der Jugendjury und Preis für den besten Schauspielnachwuchs an Mehdi Meskar

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