Inhalt
Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich Faris und Farasha auf einer Abiparty im Hamburger Fernsehturm begegnen, die erste Liebe für die beiden Zwanzigjährigen. Doch auf der gemeinsamen Heimfahrt mit Faris‘ Freund Max und Farashas Freundin Una kommt es zum Autounfall, bei dem Farasha stirbt. Als Geist wird sie Zeuge der Trauer ihrer syrischen Familie und der von Faris, der sich zudem die Schuld an ihrem Tod gibt. Auf ihrer eigenen Beisetzung erfährt Farasha von ihrem verstorbenen Vater, dass sie Faris für 40 Nächte – die islamische Trauerzeit – in dessen Träumen begegnen kann. Dort treffen sich die Liebenden fortan und suchen nach Wegen, um zusammenzubleiben. Faris zieht sich immer mehr aus dem Leben zurück, trifft eine folgenschwere Entscheidung. Erst dann erkennen Faris, der nach und nach mehr über den Unfall erfährt, und Farasha, was unsterbliche Liebe bedeutet…
Umsetzung
Das zeitlose Motiv der romantischen Liebe, „larger than life“ und über den Tod hinaus, verbindet den Film mit berühmten Vorbildern. Die stärksten inhaltlichen und formalen Referenzen bestehen zu Hitchcocks VERTIGO – AUS DEM REICH DER TOTEN (1958): Liebe, Tod und Schuld, Sehnsucht bis zur Obsession, inszeniert an charakteristischen Schauplätzen einer Stadt (hier: Hamburg) und mit einem eingängigen musikalischen Leitmotiv der Liebenden. Der berühmte Vertigo-Kameraeffekt erhebt eine an sich unspektakuläre Szene zum Schlüsselmoment. Die verschwimmenden Grenzen zwischen Realität und Traum, die Geisterbegegnung dienen als spirituelle Metaphern für Trauerbewältigung und Verlust und verorten den Film im magischen Realismus. Auf der Bildebene wird dies etwa durch „Lense flares“ oder verzerrte, gekippte Kameraperspektiven („Dutch Angle“) visualisiert. Letztere verweisen außerdem, wie auch die leuchtend-bunt illustrierten Zwischentitel, auf die Bildästhetik von Animes.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Recherchen zum Begriff „magischer Realismus“ helfen, den Film einzuordnen: Wie ist der Umgang mit Jenseits und Geist, formal und inhaltlich? In der islamischen Trauertradition finden sich Hinweise auf die „40 Nächte“. Es kann diskutiert werden, ob der Geist „real“ oder nur in Faris‘ Psyche existiert. Wie verändert sich Faris‘ Trauer durch die Geistbegegnungen? Die vergleichende Filmanalyse mit Hitchcocks VERTIGO offenbart die inhaltlichen und formalen Referenzen. Berücksichtigt werden z. B. Liebes- und Jenseits-Thematik, Schauplätze, Handlung, Kameraarbeit, Musik (Liebesthema/Leitmotiv, Transdiegetik). Der berühmte Vertigo-Effekt sollte zunächst ohne technische Anleitung entschlüsselt und dann via Smartphone rekonstruiert werden. Sind den Schüler*innen weitere Beispiele aus Film oder Literatur bekannt, die sie an Inhalt, Machart oder Themen des Films erinnern? In Teams werden Bezüge der Bildgestaltung zu Animes und die Aufgabe des Color Grading erarbeitet. Welche Vermutungen lassen sich über Wirkung der existierenden Schwarzweißfassung anstellen?
Hinweise
Content Note: Der Film behandelt die Themen Selbstverletzung und Suizidgedanken. Die Auseinandersetzung damit kann für manche Zuschauer*innen belastend sein.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ulrike Seyffarth, 02.11.2026,
letzte Aktualisierung:
03.11.2026
Regie
Fatih Akin
Buch
Fatih Akin, Ruth Thoma
Darsteller*innen
Eren M. Güvercin, Mariam Dawoud, Lama Alhalabi, Carlotta von Falkenhayn, Gabriel-Winner Amorin u. a.
Länge
106 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung mit arabischen und türkischen Dialogen (deutsch untertitelt), barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe und Schwarzweiß
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Warner Bros. Pictures Germany
Festivals
(2026) San Sebastian Filmfest, Filmfest Hamburg