Inhalt
Die 17-jährige Ainara steht kurz vor ihrem Schulabschluss, feiert mit ihren Freund*innen, ist verliebt und sucht ihren Platz im Leben. Ihre Familie wünscht sich, dass sie studiert. Doch nach einer Klassenreise in ein Kloster fühlt sich die ernsthafte junge Frau dazu berufen, Nonne zu werden. Für ihre Familie kommt diese Entscheidung völlig überraschend. Während ihr alleinerziehender Vater Iñaki den Wunsch seiner Tochter trotz eigener Bedenken respektiert, versucht ihre Tante Maite, eine überzeugte Atheistin, sie davon abzubringen. Sie befürchtet, dass Ainara durch ihre katholische Schule beeinflusst wurde, und möchte, dass ihre Nichte zunächst mehr Lebenserfahrungen sammelt. Zwischen ihrem Glauben und den Erwartungen ihrer Familie muss Ainara herausfinden, welchen Weg sie für ihr Leben einschlagen möchte.
Umsetzung
Regisseurin Alauda Ruiz de Azúa erzählt feinfühlig, vorurteilsfrei und mit großer emotionaler Nähe zu ihren Figuren, ohne die verschiedenen Positionen zu bewerten oder gegeneinander auszuspielen. Ruhige, eindringliche Einstellungen machen Ainaras innere Unsicherheit zwischen Glauben, eigenen Wünschen und familiären Erwartungen unmittelbar spürbar. Auch die Musik ist eng mit ihrer Lebenswelt verbunden: Auf moderne Pop-Songs wie „Quevedo“ von Bizarrap folgen Chor- und Kirchenmusik. Ausschließlich diegetisch eingesetzt, entsteht so ein Spannungsfeld zwischen moderner Jugendkultur und religiöser Tradition. Besonders berührend ist eine Szene, in der der Schulchor Nick Caves „Into My Arms“ singt, während die Kamera lange auf Ainaras Gesicht verweilt. So entfaltet sich ein intensives Drama, das weniger von äußeren Ereignissen als von den inneren Bewegungen seiner Figuren lebt – und gerade dadurch lange nachwirkt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
GLAUBE bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit Spiritualität, Selbstbestimmung und der Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Wie frei ist Ainaras Entscheidung für das Kloster tatsächlich? Der Film lässt unterschiedliche Lesarten zu: So kann das Konvent auch als Ort von Harmonie und Zugehörigkeit verstanden werden, die Ainara in ihrer Familie möglicherweise vermisst. Viele Konflikte werden nur angedeutet. Dies lässt Raum, die Motive der Figuren aus unterschiedlichen Perspektiven zu erschließen und Einflüsse auf die Lebensentscheidungen junger Menschen zu thematisieren. Auf unaufgeregte Weise regt der Film zudem dazu an, über die Bedeutung von Spiritualität und die Suche nach Sinn und Orientierung nachzudenken. Besonders die Musik verbindet Ainaras Alltag zwischen moderner Jugendkultur und religiöser Tradition. Wie spiegeln Pop-Songs sowie Chor- und Kirchenmusik unterschiedliche Lebenswelten wider? Und wie tragen Musik, Bildgestaltung und die ruhige Kamera dazu bei, Ainaras Empfindungen erfahrbar zu machen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ula Brunner, 23.09.2026,
letzte Aktualisierung:
01.10.2026
Regie
Alauda Ruiz de Azúa
Buch
Alauda Ruiz de Azúa
Darsteller*innen
Blanca Soroa, Patricia López Arnaiz, Miguel Garcés, Juan Minujín, Mabel Rivera, Nagore Aranburu u. a.
Länge
117 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, spanische Originalfassung, auch mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Leonine Distribution
Festivals
San Sebastián International Film Festival 2025: Bester Film, Goya Awards 2026: Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin, Beste Nebendarstellerin und Bestes Originaldrehbuch: