Inhalt
Silvester in der Berliner Gropiusstadt: Der junge Spoken-Word-Künstler Luan hat seit dem Tod seiner Mutter nur noch zwei Menschen, die ihm nahestehen – seinen älteren Bruder Tarik und seine Freundin Stella. Ausgerechnet am letzten Tag des Jahres droht er beide zu verlieren. Tarik erhält einen Brief, der ihm die Abschiebung ankündigt. Er verspricht, die Stadt „mit einem Knall“ zu verlassen und ist danach nicht mehr erreichbar. Stella wiederum hat einen Platz an einer Schauspielschule in New York bekommen und wird für drei Jahre fortgehen. Von Albträumen geplagt, in denen er zurückgelassen wird, reagiert Luan impulsiv: Er will Stella heiraten und sucht nach einer Anwältin, die seinen Bruder retten soll. Als bei einem gescheiterten Überfall auf einen Geldautomaten Polizisten verletzt werden, befürchtet Luan, dass Tarik darin verwickelt ist und macht sich auf eigene Faust auf die Suche. Je länger die Nacht dauert, desto stärker verschwimmen Luans Ängste und Visionen mit der Wirklichkeit.
Umsetzung
Ben Voits Langfilmdebüt, entstanden an der Filmuniversität Babelsberg mit einem Budget von rund 13.000 Euro, verdichtet die Handlung auf einen einzigen Tag. Gedreht wurde vor Ort, inszenierte Szenen mischen sich mit tatsächlich vorgefundenen Situationen, was dem Film eine große Unmittelbarkeit verleiht. Eine unruhige Handkamera, Nahaufnahmen und eine schnelle Montage übertragen Luans Getriebenheit auf das Publikum. Dem stehen Zeitlupen und traumartige Sequenzen gegenüber, die seine Ängste und Visionen sichtbar machen. Das breite CinemaScope-Format, starke Untersichten und das Feuerwerk der Silvesternacht setzen die Hochhäuser und die Figuren in Beziehung zum Himmel – ein kosmisches Motiv, auf das schon der Titel verweist. Der flirrende Synthesizer-Score treibt die Erzählung voran. Die Figuren sprechen Deutsch, Arabisch und Türkisch.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film verbindet für Jugendliche relevante Themen mit einer ausgeprägten, gut analysierbaren Filmsprache. Im Unterricht lässt sich produktiv diskutieren, mit welchen filmischen Mitteln – etwa Handkamera, Zeitlupe, Ton und Musik – die subjektive Perspektive Luans vermittelt wird und wie der Film die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit setzt oder verschwimmen lässt. GROPIUSSTADT SUPERNOVA eignet sich für Gespräche über Zugehörigkeit, Familie und die Frage, wie Entscheidungen von Behörden in das Leben junger Menschen eingreifen. Dabei lassen sich Grundlagen des Aufenthaltsrechts vermitteln und unterschiedliche Positionen in der Debatte über Abschiebungen diskutieren. Die Szenen, in denen es um Tariks Abschiebung geht, bieten Anlass, über Alltagsrassismus und institutionelle Diskriminierung zu sprechen. Die Schüler*innen können zudem das Viertel Gropiusstadt als Großwohnsiedlung der 1960er-Jahre und ihr Image untersuchen, etwa im Vergleich mit SONNE UND BETON. Luans Spoken-Word-Texte bieten einen Zugang zu Poetry Slam und laden dazu ein, eigene Texte über das persönlichen Umfeld zu verfassen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Meis Al Khafali, 03.11.2026,
letzte Aktualisierung:
04.11.2026
Regie
Ben Voit
Buch
Ben Voit
Darsteller*innen
Mo Issa, Berfin Sönmez, Walid Al-Atiyat, Asad Schwarz, Michaela Caspar, Michel Diercks, Murat Demir u. a
Länge
81 min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung mit arabischen und türkischen Dialogen (deutsch untertitelt)
Format
digital, Farbe, CinemaScope
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Four Guys Film Distribution
Festivals
(2026) Filmfestival Max Ophüls Preis: Bester Spielfilm; achtung berlin; Lichter Filmfest Frankfurt; Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern; Internationales Filmfest Emden-Noderney