Inhalt
Hessische Provinz zu Beginn der 80er Jahre: Wie viele Jugendliche hat auch die 17-jährige Ursula nur das Eine im Kopf: „endlich Geschlechtsverkehr“. Einerseits ist sie sehr intelligent, andererseits wegen ihrer pummeligen Figur aber ein Mobbingopfer: Beim Rendezvous mit dem Schulcasanova wird sie bloßgestellt. Die Situation bringt ihr jedoch die Aufmerksamkeit des neuen linksalternativen Lehrers Siegfried Grimm. Sofort weiß sie: der oder keiner. Grimm scheint Ursula mit ihren Sorgen und Nöten zu verstehen – aber zu ihrer Enttäuschung gilt dies für viele Frauen, auch für ihre Mutter. Grimm lebt in einer Landkommune, in der allerlei Kurse sowie gewaltfreie Proteste gegen Atomenergie und Aufrüstung im Zeitalter von Kanzler Helmut Kohl organisiert werden – chaotische Verwicklungen sind vorprogrammiert.
Umsetzung
Grundsätzlich ist die Komödie in Inhalt und Struktur leicht verständlich. Themenvielfalt (s. u.) und Vielzahl der Charaktere wirken zwar stellenweise willkürlich und der Verlauf der Geschichte daher manchmal etwas konstruiert. Dies kann aber für eine kritische Beschäftigung mit dem Genre Komödie ebenso genutzt werden wie auch der zwischen treffend genauen Pointen und Albernheiten wechselnde Humor. Pluspunkte sind die unverblümte Inszenierung der Geschichte in einer sonst filmisch eher wenig beachteten Zeit (1980er Jahre) mit vielen Details aus dem Alltag und insbesondere mit einer jungen Frau, die sich nicht um gängige Schönheitsideale schert, sondern die mit ihrer Eigenwilligkeit und ihrer Neugier, die ihre Stärken genauso zeigt wie ihre Schwächen, eine weibliche Identifikationsfigur jenseits gängiger Klischees ist.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Im Verlauf des Films werden eine Vielzahl von Themen angespielt, die sich – nicht nur mit einem historischen Blick auf die 80er Jahre, sondern auch auf die Gegenwart – für eine Vertiefung im Unterricht eignen: Albert Camus und der Existenzialismus, das Schweigen über die eigene Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg (Ursulas Opa), die zerrüttete Ehe der Eltern und Betrug in Beziehungen, Treue und emotionale Verletzung, erste Liebe und Sexualität („offene Zweierbeziehung“), Mobbing, Gewaltfreiheit und Waffengebrauch, Spießbürgerlichkeit und alternative Lebensformen wie Wohngemeinschaften, Landkommunen, biologische Ernährung, Friedensbewegung und Protestbewegungen gegen Atomenergie, Atomwaffen und Wettrüsten. Nicht zuletzt kann auch das Genre der Filmkomödie und die Art seiner Umsetzung analysiert werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dr. Olaf Selg
,
04.09.2019
,
letzte Aktualisierung:
05.05.2020
Regie
Petra Lüschow
Buch
Petra Lüschow
Darsteller*innen
Anna Florkowski, Florian Stetter, Christina Große, Thorsten Merten, Britta Hammelstein, Leon Ulrich, Hermann Beyer, Barbara Phillip, Zoe Moore, Oskar Boekelmann u. a.
Länge
97 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
Internationale Hofer Filmtage 2019, Cleveland International Filmfestival 2019: Beste Regie (New Direction)