Inhalt
Mitten in Berlin-Neukölln, zwischen Shisha-Lounges und Technoclubs, liegt die Fachklinik F42. Hier lernen Menschen aus verschiedenen Generationen und Lebenswelten, einen Weg aus der Sucht zu finden – inmitten der Großstadt mit all ihren Versuchungen. „Kein Rückfall, keine Rückfallbegegnung, kein Suchtdruck“: Jeden Morgen berichten die Bewohner*innen in gemeinsamer Runde, ob sie der Sucht auch am Vortag widerstanden haben. Der Dokumentarfilm begleitet sie und ihre Therapeut*innen durch den Alltag. Der besondere Ansatz der Klinik verbindet klare Strukturen mit Empathie, Eigenverantwortung und einem offenen Umgang mit Rückfällen. Wer hier aufgenommen wird, lernt, wie das Suchtgedächtnis und das Belohnungszentrum ihr Leben im Griff haben – und wie die vielen täglichen Entscheidungen dazu beitragen, einen neuen Alltag jenseits der alles dominierenden Sucht zu finden. TUN UND LASSEN erzählt von Rückschlägen und Lichtblicken auf diesem Weg, eine neue Identität zu finden – jenseits der Sucht.
Umsetzung
Über mehrere Monate begleitet Regisseur Friedrich Rackwitz den Klinikalltag der F42 – von der Aufnahme neuer Bewohner*innen bis zu ihrer Entlassung zurück ins Leben. Die Kamera wird zum vertrauten Gegenüber: Blicke in die Optik, ein geteiltes Lächeln, Momente direkter Anrede bleiben im Film. Aus mehr als 100 Stunden gedrehtem Material entsteht in der Montage ein nahes, beobachtendes Filmporträt der Arbeit von Therapeut*innen und der Rehabilitant*innen, das den Fokus auf die vielen kleinen, persönlichen Momente legt. Hier findet Therapie nicht nur in den Gruppen- oder Einzelsitzungen statt, sondern überall im Alltag – in der Waschküche, auf dem Flur, beim Tischtennis. Statt das Geschehen durch eine erklärende Kommentarstimme einzuordnen oder zu dramatisieren, vertraut der Film auf seine Beobachtung und lässt Raum für eigene Gedanken. Nur an wenigen Stellen ergänzen Interviews mit Therapeut*innen die unmittelbaren Eindrücke und erläutern den besonderen Ansatz der Klinik.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der fein beobachtende Film vermittelt sensible und lebensnahe Einblicke in die Arbeit und den Alltag von Therapeut*innen und eröffnet Gespräche über soziale und medizinische Berufsfelder. Der Film bietet darüber hinaus Zugang zu gesellschaftlich wichtigen Themen wie Sucht, Abhängigkeit und der Umgang mit Süchtigen, die Schüler*innen in Gesellschaft oder ihren Lebenswelten begegnen. Die Erläuterungen des Klinikleiters zur Wirkung des Belohnungszentrums im Gehirn und zum Suchtdruck regen dazu an, verbreitete Vorstellungen von Sucht als bloßer Willensschwäche zu hinterfragen. Der offene Umgang mit Rückfällen wirft Fragen auf, die diskutiert werden können: Wie kann Veränderung gelingen, wenn auch Rückschläge dazugehören? Welche Bedeutung haben verlässliche Beziehungen und ein unterstützendes Umfeld? Auch die filmische Gestaltung lässt sich im Unterricht untersuchen: Wie erzeugt die beobachtende Kamera im Stil des Direct Cinema Nähe, und welche Wirkung hat es, wenn eine erklärende Kommentarstimme fehlt?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Melanie Rohde, 26.10.2026,
letzte Aktualisierung:
27.10.2026
Regie
Friedrich Rackwitz
Buch
Friedrich Rackwitz
Darsteller*innen
Mitwirkenden Martin Rüdiger, Janina Tews, Simon Frieser, Arthur Gregarek, Andrea Matschulat; Michi, Helena, Hamza, Ulrike, Martin u. a.
Länge
106 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Filmwelt Verleihagentur
Festivals
Internationale Hofer Filmtage 2026