Inhalt
Ende 2023 plant Thomas Heise einen Film, in dem es darum gehen soll, wie Geschichte unsere Gegenwart prägt und sich in die Leben der Menschen einschreibt. Heise sucht Verbindungen zwischen dem Alltäglichem und den großen geschichtlichen Linien, indem er Menschen beobachtet und (manchmal) auch befragt. In früheren Filmen waren das zufällige Imbiss-Gäste, junge Neonazis in der Nachwendezeit, Jugendliche in Eisenhüttenstadt – vor und nach der Wende. Für ÜBERGANG will Heise nun etwas Neues wagen und auch seine eigene Geschichte thematisieren. Für ihn ist das neue Projekt ein „Heimatfilm“, gedreht im Prenzlauer Berg, direkt vor seiner Haustür. Doch es kommt anders. Kurz nach Beginn der Dreharbeiten erkrankt Thomas Heise schwer und stirbt nur wenige Monate später. Vor seinem Tod verfügt er, sein Team solle das Projekt beenden. Aus einem Film von Thomas Heise wird so auch ein Film über ihn – den unbequemen und streitbaren Denker und Dokumentaristen, der sich immer gerieben hat an der Wirklichkeit, die ihn umgab, sei es in der DDR oder im wiedervereinigten Deutschland.
Umsetzung
Mit unveröffentlichten Texten und Bildern, in ruhigem Schwarz-weiß gefilmten Beobachtungen des Berliner Alltags, mit Filmausschnitten und Stimmen von Weggefährt*innen öffnet ÜBERGANG den Blick auf Thomas Heises Leben, hält aber großräumig Abstand zur Hommage. Verschiedene Themen verbinden sich zu einer Erzählung, die bei der Person Heises anfängt, sein Erwachsenwerden als Filmstudent und Teil der Ost-Berliner Bohème nachvollzieht, aber nie ins Anekdotische zielt, sondern konkret zeigt, wie die Doktrin des sozialistischen Realismus den Blick auf die DDR-Realität immer mehr verstellte. Heise, der schon als Filmstudent engmaschig von der Stasi beobachtet wurde, wehrte sich energisch gegen jede Einschränkung seiner künstlerischen Freiheit – und musste deshalb in den 1980er Jahren die Filmhochschule verlassen. Auch nach dem Mauerfall bleibt er ein klarer Kritiker der Verhältnisse, der seiner Zeit oft voraus war – global dachte, Militarismus und Opportunismus verabscheute und nie davor zurückschreckte, unbequeme Wahrheiten zu benennen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Empfehlenswert ist die Kontextualisierung der geschichtlichen Hintergründe nach der Sichtung. Im Anschluss kann über die Ursachen und Folgen der Stasi-Bespitzelung und den heutigen Umgang mit den daraus hervorgegangenen Akten reflektiert werden sowie darüber, wie Politik und Gesellschaft nachhaltig auf rechtsextreme „Provokationen“ reagieren können. Angesprochen wird die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft und die Frage, wie es gelingen kann, sich angesichts der Vielzahl aktueller Konflikte nicht machtlos zu fühlen. Filmanalytisch interessant ist die Untersuchung der Verschränkung der langen beobachtenden Sequenzen mit dem Kommentar und die Thematisierung der eigenen Herstellungsweise durch Einbeziehung von Aufnahmen am Schnittplatz und beim Einsprechen. Empfehlenswert ist auch die Arbeit mit Heises im Film vorgelesenen Brief an eine Abiturientin, der sich als generelle Aufforderung zum eigenständigen Denken lesen lässt: „Seien Sie selbstständig. Verlassen Sie ihr gewohntes Umfeld. […] Sehen Sie, was Sie sonst nicht zu sehen kriegen.“
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Luc-Carolin Ziemann, 03.11.2026,
letzte Aktualisierung:
03.11.2026
Regie
Peter Badel, Chris Wright
Buch
nach einer Idee von Thomas Heise
Darsteller*innen
Mitwirkende: Thomas Heise u. a.
Länge
125 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, schwarz-weiß
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
GM Films
Festivals
(2026) Locarno Film Festival; DOK Leipzig: Goldene Taube für den besten Film im Deutschen Wettbewerb