Inhalt
Wer war Paula Modersohn-Becker (1876-1907)? Anlässlich des 150. Geburtstages der Wegbereiterin von Moderne und Expressionismus wirft der Film einen frischen Blick auf die Künstlerin, die ihr kurzes, intensives Leben entschlossen der Malerei widmete und ein so umfangreiches wie kompromissloses Werk schuf. In einem fiktiven Spielfilm begibt sich eine junge Schauspielerin in Vorbereitung auf ihre Filmrolle als Paula auf Spurensuche zu zentralen Schaffensorten der Malerin – ins Künstlerdorf Worpswede bei Bremen und nach Paris – und zu ihren wichtigsten Bezugspersonen Clara Westhoff, deren späteren Ehemann Rainer Maria Rilke, Heinrich Vogeler und Paulas Ehemann Otto Modersohn. Von diesem als Frau ihrer Zeit finanziell abhängig und weiteren gesellschaftlichen Hürden zum Trotz behauptet Paula ihren Anspruch auf künstlerische Freiheit und weibliche Autonomie. Ihre radikalen Frauen-, Kinder- und Selbst-Portraits verweigern sich gängigen Schönheitsbegriffen und dem in der Kunst üblichen männlichen Blick. All das macht sie aus heutiger Sicht zu einer feministischen Ikone.
Umsetzung
Ausgangspunkt dieses hybriden, dokufiktionalen Essayfilms ist ein fiktiver Spielfilm über die Malerin, vom Casting über Recherchereisen, Proben und Spielszenen bis zum Drehstart. Die persönliche Annäherung der Schauspielerin an ihre historische Figur wird dabei als reflexive Begegnung mit sich selbst erzählt. Zusätzlich fließen reale kunsthistorische Einordnungen, Bildinterpretationen und Interviews mit internationalen Expert*innen ein; es wird aus Tagebüchern und Briefen der Künstlerin sowie aus Biographien zitiert. Visuelle Verfremdungen – Collagen, Schwarz-Weiß-Interviews, Newsticker-Laufschrift usw. – unterstützen die Verwischung der Grenzen zwischen den Zeitebenen, zwischen Darsteller*innen und Figuren, Kunst und Realität, Dokumentar- und Spielfilm. Damit ist der Film selbst Beleg seiner These, dass Interpretation von Kunst und Künstler*in stets ein soziokulturell, geschichtlich und medial bedingtes Konstrukt ist.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Schüler*innen rekonstruieren das Bild, das der Film von Paula Modersohn-Becker als Künstlerin und als Frau ihrer Zeit vermittelt und diskutieren, inwiefern sie als moderne Frau und feministische Ikone verstanden werden kann. Wie ist es heute um Frauen in der Kunstwelt bestellt? Ein Vergleich der weiblichen Portraits von Paula Modersohn-Becker mit Frauenbildnissen zeitgenössischer männlicher Künstler schärft den Blick für gendertypische Unterschiede. Darauf aufbauend können die jeder Interpretation zugrunde liegenden Faktoren (Entstehungs- und Rezeptionsbedingungen; Kontextualisierung von soziokulturellem Milieu, Epoche und Medium) analysiert werden. Die Schüler*innen sollten bei der Filmsichtung auf formale Besonderheiten achten und sich anschließend über deren vermutete Funktion und erzielte Wirkung austauschen. Definitionen zu Doku-Fiktion und Essayfilm geben Impulse für ein Gespräch über Vor- und Nachteile solcher Hybridformen im Vergleich zu klassischen Dokumentarfilm-Formaten.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ulrike Seyffarth, 17.08.2026,
letzte Aktualisierung:
21.08.2026
Regie
Annelie Boroş, Vera Brückner
Buch
Anja Salomonowitz (Originaldrehbuch), Annelie Boroş, Vera Brückner
Darsteller*innen
Katharina Stark, Dominique Devenport, Enno Trebs, Merlin Rose, Florian Lukas u. a.
Länge
95 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung mit deutsch untertitelten Dialogen (Französisch, Englisch)
Format
digital, Farbe
FSK
liegt noch nicht vor
Verleih
W-Film