Inhalt
In einer nahen Zukunft verbreitet sich eine rätselhafte Krankheit, die Infizierte nach und nach in tierähnliche Kreaturen verwandelt. Auch die Mutter des 16-jährigen Émile ist betroffen und soll in ein Behandlungszentrum im Süden Frankreichs verlegt werden. Ihr Ehemann François erhofft sich dadurch endlich Genesungsfortschritte. Sein Sohn und er ziehen kurzerhand in die Nähe der Einrichtung. Als jedoch der Konvoi mit den mutierten Menschen verunglückt und einige der überlebenden Patient*innen in den Wald flüchten, bricht in der Region große Unruhe aus. Während das Militär die Entlaufenen einfangen soll, macht sich der verzweifelte François auf die Suche nach seiner vermissten Frau. Émile bemüht sich derweil, in der neuen Schule anzukommen und versteht sich immer besser mit seiner Klassenkameradin Nina. Schon bald erkennt er allerdings, dass er ebenfalls langsam zum Tier wird.
Umsetzung
ANIMALIA lässt sich keineswegs leicht in eine Schublade pressen. Thomas Cailleys zweite Langfilmarbeit kreuzt eine Coming-of-Age-Geschichte mit einem Familiendrama, Endzeitbildern, Horrormotiven und fantastischen Elementen. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist Émile, dessen Identitätsreise und Transformation das Publikum Schritt für Schritt verfolgt. Hauptdarsteller Paul Kircher arbeitet in seinem stetig unkontrollierter werdenden Spiel die Hinwendung des Protagonisten zum Animalischen überzeugend heraus. Konsequenterweise zieht es Émile – und damit den Film – ab dem Mittelteil immer stärker in die Wildnis, wo der von seiner körperlichen Veränderung zunächst überforderte Teenager auf andere mutierte Menschen trifft. Große Bedeutung haben in der Inszenierung neben urigen Naturaufnahmen auch rohe emotionale Ausdrucksformen wie Freuden- und Schmerzensschreie.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Ausgehend vom Szenario des Films lässt sich im Unterricht darüber diskutieren, wie Außenseiter*innen von der Gesellschaft behandelt werden – und warum sie zu Außenseiter*innen geworden sind. Warum reagieren so viele Menschen mit Ablehnung oder gar Hass auf alles Unbekannte? Wieso ist Repression allzu oft die erste Antwort? Die mysteriöse Krankheit in ANIMALIA weckt Erinnerungen an die Covid-Pandemie mit all ihren Verwerfungen. Denken muss man aber auch an das Schicksal vieler Geflüchteter, die sich immer wieder Anfeindungen ausgesetzt sehen. Äußerst ergiebig ist ferner ein genauer Blick auf Émiles körperlich schmerzhaften Transformationsprozess. Inwiefern dient dieser, einem klassischen Motiv des Horrorkinos folgend, als Metapher für die Entwicklungen während der Pubertät? Ebenfalls sehr spannend: Wie gelingt es dem Film über seine Bildsprache und seine Tonkulisse, eine urwüchsige Atmosphäre zu erzeugen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
30.12.2023
,
letzte Aktualisierung:
02.02.2024
Regie
Thomas Cailley
Buch
Thomas Cailley, Pauline Munier
Darsteller*innen
Paul Kircher, Romain Duris, Adèle Exarchopoulos, Tom Mercier, Billie Blain, Xavier Aubert, Saadia Bentaïeb, Gabriel Caballero, Iliana Khelifa, Paul Muguruza u. a.
Länge
128 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Studiocanal
Festivals
(Auswahl 2023) Internationale Filmfestspiele Cannes; Fantasy Filmfest; Sitges International Film Festival: Beste Spezialeffekte; Busan International Film Festival; BFI London Film Festival