Inhalt
Ein Praktikumsplatz soll den 19-jährigen Roman, der schon seit längerer Zeit eine Haftstrafen in einer Sonderstrafanstalt für Jugendliche verbüßt, wieder an das Leben in der Freiheit gewöhnen. Doch niemand will Roman anstellen. Auch seine Betreuer finden keinen Zugang zu dem aggressiven jungen Mann. So halten sie es erst für einen schlechten Scherz, als er sich um einen Job bei einem Bestattungsunternehmen bewerben will. Doch Roman tritt die Stelle an, findet über die Begegnung mit dem Tod wieder neuen Lebensmut und beginnt, sich auch mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen.
Umsetzung
Von Beginn an zieht das Regiedebüt des Schauspielers Karl Marcovics in den Bann, zum einen aufgrund der äußerst sorgfältig komponierten Bilder, die die Trostlosigkeit und soziale Kälte spürbar machen, zum anderen durch die verschlossene Hauptfigur Roman, die zunächst unnahbar, kantig und unsympathisch scheint. Erst allmählich blickt der Film hinter die Fassade und rekonstruiert schrittweise prägende Entwicklungen in seinem Leben, von der Ablehnung durch die damals noch viel zu junge und überforderte Mutter bis hin zu einem tödlichen Zwischenfall im Internat. Dennoch erklärt der Film nicht zu viel und lässt den Bildern Raum. Obwohl die Geschichte mit nahezu dokumentarischer Strenge erzählt wird, verleihen symbolisch aufgeladene Momente etwa, wenn Roman reglos im Wasser schwebt schließlich doch noch Poesie und am Ende sogar ein wenig Hoffnung.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Zahlreiche existenzielle Themen werden in Atmen aufgegriffen: Es geht um tiefe Verletzungen in der Kindheit, das Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein, um Gewalt als Ausdruck dieser Einsamkeit, um Schuld und Vergebung. Vor allem dreht sich alles darum zu lernen, was Leben bedeutet. In Romans Geschichte verbinden sich all diese Aspekte und gewinnen ein konkretes Gesicht, so dass sich der Einblick in die Biografie dieses Jugendlichen als Ausgangspunkt für zahlreiche Diskussionen gerade im Ethik- und Religionsunterricht einsetzen lässt. Die präzise Bildgestaltung lädt zudem dazu ein, diese Themen auch im Hinblick auf ihre visuelle Umsetzung zu analysieren. Auffallend sind beispielsweise zahlreiche Zentralperspektiven, die die Bilder statisch wirken lassen und damit auch Romans Situation spiegeln. Auch er hat keinen Bewegungsspielraum. Dass ausgerechnet die Arbeit als Leichenbestatter den Weg in ein neues Leben ebnet, kann ebenfalls Anlass zu einem Unterrichtsgespräch sein und die symbolische Ebene des Film deutlich machen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Stefan Stiletto
,
28.10.2011
,
letzte Aktualisierung:
05.10.2016
Regie
Karl Markovics
Buch
Karl Markovics
Darsteller*innen
Thomas Schubert, Karin Lischka, Georg Friedrich, Gerhard Liebmann, Stefan Matousch u. a.
Länge
93 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Thimfilm/24 Bilder
Festivals
Filmfestspiele Cannes 2011, Quinzaine des Realisateurs: Bester europäischer Film; Sarajevo Film Festival 2011: Bester Film