Inhalt
Die junge Türkin Ayla hat sich für ein selbstbestimmtes Leben entschieden. Einerseits genießt sie ihre Freiheit, andererseits gipfelt das mitunter aufreibende Leben zwischen verschiedenen Kulturen im Zerwürfnis mit ihrem Vater, der Aylas liberale Lebensweise als Verletzung der Familienehre begreift. Auch Hatice, die mit ihrer Tochter Zuflucht bei Ayla findet, muss unter dem Druck ihrer traditionell lebenden türkischen Familie leiden. Während sich die beiden Frauen anfreunden, findet Ayla zudem Geborgenheit bei dem Fotografen Ayhan. Als sie jedoch herausfindet, dass er der ältere Bruder von Hadice ist, der sie mit allen Mitteln von einer Scheidung abbringen soll, entwickelt sich die Beziehung des jungen Liebespaares anders als erhofft: Ayla wird gegen Ayhan und für Hatice kämpfen.
Umsetzung
Filmemacher Su Turhan hat bereits mehrere Kurzfilme, Musikvideos und Werbeclips realisiert und offenbart in seinem Debütlangfilm Gespür für eine präzise Bildsprache, gelungene Schauspielführung und eine Vorliebe für starke Frauenfiguren. Darauf aufbauend erzählt er die Liebesgeschichte zweier Menschen, die sich zwischen verschiedenen Kulturen und entsprechenden Traditionen aufreiben. Turhans persönlicher Bezug zum Thema fließt merklich in die Figurenkonstellation mit ein und entfaltet sich in diversen Konfliktsituationen, die er in einen wirkungsvollen Spannungsbogen einbettet. Im Gegensatz zu den radikalen und schonungslosen Darstellungsweisen sowie der vorherrschenden Hoffnungslosigkeit in "Gegen die Wand" (Regie: Fatih Akin, 2004) oder aktuell in "Die Fremde" (Regie: Feo Aladag, 2010; siehe hierzu auch den Filmtipp von Kirsten Taylor) vermeidet Turhan in "Ayla" beispielsweise explizite körperliche Gewaltdarstellungen und gesteht seiner Protagonistin respektive dem Zuschauer Hoffung auf ein Happy End zu.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film zeigt beispielhaft die emotionale Zerrissenheit einer multikulturell geprägten Generation. Regisseur Turhan bettet diese Problematik in eine klassische Liebesgeschichte ein, die er selber als moderne Variation der "Romeo und Julia"Geschichte definiert: "...letztendlich steht Shakespeare dafür Pate." Ihm geht es als Regisseur darum, "auf funktionierende Mechanismen zurück zu greifen um sie dann zu variieren und den Zuschauer zu emotionalisieren." (siehe Interview auf www.ayla-film.de). Neben Fragen der Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung lässt sich auch die Verhandlung multikultureller und sozialkritischer Aspekte in einem fiktiven Kontext diskutieren. Empfehlenswert wäre in diesem Zusammenhang ein direkter Vergleich mit den oben genannten Filmen "Gegen die Wand" und "Die Fremde". Anhand dessen lassen sich z.B. die unterschiedlichen Positionen der entsprechenden Filmemacher erörtern (und wie sich diese schließlich in der Erzähl- und Darstellungsweise widerspiegeln).
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Carsten Siehl
,
15.05.2020
,
letzte Aktualisierung:
20.09.2024
Regie
Su Turhan
Buch
Su Turhan, Beatrice Dossie
Darsteller*innen
Pegah Ferydoni, Mehdi Moinzadeh, Saskia Vester, Timur Isik, Türkiz Talay, Sesede Terziyan, Mehtap Yurtseven, Baris Sezer u.a.
Länge
85 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Zorro Film
Festivals
Filmfestival Max Ophüls Preis 2010 (Wettbewerbsteilnahme)