Inhalt
Mina verliert ihren Mann durch ein Todesurteil. Zu ihrem Schmerz kommt die existentielle Bedrohung, der sie fortan als alleinstehende Witwe im Iran ausgesetzt ist. Mina bleibt tapfer und übersetzt ihrer gehörlosen kleinen Tochter die Tragik ihres Lebens in geschönten Worten. Ein Jahr später wird ihr mitgeteilt, dass das Urteil ein Justizfehler war. Nach dem Gesetz steht ihr Blutgeld zu. Aber Mina, die alle Erniedrigungen mit sturer Sanftheit ertragen hat, lehnt sich gegen diese Art der Wiedergutmachung auf. Sie will den Richter, der für das Fehlurteil verantwortlich ist, persönlich zur Rechenschaft ziehen. Sie ahnt nicht, dass auch der Richter seinen eigenen Weg der Sühne sucht. Er quittiert seinen Beruf und beginnt, Mina zu helfen. Dabei lässt er sie jedoch über seine wahre Identität im Unklaren. Am Ende können beide der unerbittlichen Logik der Vergeltung doch nicht entkommen.
Umsetzung
Mit komponierten Bildern und präzise inszenierten Tableaus wird eine moderne Geschichte von Schuld und Sühne erzählt. Der Film gibt durch seine ruhige, ästhetisierte Erzählweise den Zuschauer*innen Raum, ihre Gedanken über das Thema zu entwickeln und Wendepunkt für Wendepunkt weiter zu denken. Das Dramatische, das die Geschichte im Kern birgt, wird nicht ausgespielt. Mit jeder neuen Szene leuchtet der Film das Unwohlsein zweier sensibler Menschen aus, die sich mit dem Regelwerk des Justizsystems nicht abfinden können und eigene Wege für ihren Umgang mit Schuld suchen. Dabei arbeitet der Film mit symbolischen Bildern, wie das der titelgebenden weißen Kuh, und schafft damit Räume für verschiedene Interpretationen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Lässt sich Unrecht "wiedergutmachen" und Schuld "ent-schuldigen"? Dem Anspruch, mithilfe von Entschädigung ein beschädigtes Leben zu heilen, steht die Realität unheilbarer Wunden gegenüber. Es geht um institutionelle Lösungen (Rechtssystem) und persönliche Gefühlslagen (Rache), die in verschiedenen Systemen und Kulturen anders ausgelotet werden. Auch die Bedingtheit einer Frau ohne männlichen Beistand in der iranischen Gesellschaft kann diskutiert werden. Der Film lässt sich eindrücklich in verschiedene Spannungsbögen zerlegen: die emotionale Reise der Protagonist*innen (Schuld und Sühne), die Verhandlung verschiedener Ideen von Gerechtigkeit (philosophische Ebene) und die Emanzipationsgeschichte einer Frau. Der Film bietet sich an, um den Verzicht auf ausgespielte emotionale Dramatik in Schauspiel und Bildsprache zu untersuchen und ihn mit filmischen Gegenbeispielen zu vergleichen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Melanie Rohde
,
29.01.2022
,
letzte Aktualisierung:
28.02.2022
Regie
Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
Buch
Mehrdad Kouroshiniya, Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
Darsteller*innen
Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar, Pourya Rahimisam u. a.
Länge
105 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Weltkino Filmverleih
Festivals
Internationales Fajr-Filmfestival 2020; 71. Berlinale 2021, Sektion Wettbewerb; Festival Der Neue Heimatfilm 2021: Spielfilmpreis der Stadt Freistadt