Inhalt
Der Dokumentarfilm begleitet Menschen verschiedenen Alters in einer Zeit, in der sie ihre Freizeit- und Wohnräume in Berlin durch Gentrifizierung verlieren, verloren haben oder davon bedroht sind. In den letzten Jahren wurden die linksautonomen Orte Potse und Drugstore, Liebig 34, Rigaer 94, Meuterei, Köpi Wagenplatz und zwischenzeitlich das Syndikat verdrängt. Aktuell ist das Tuntenhaus davon gefährdet. Wir lernen die solidarischen, kreativen Räume und Menschen aus diesen Kollektiven kennen und trauern mit ihnen über die Verluste und die Berliner Mietenpolitik, die nicht nur sie betrifft. Ein Taxifahrer, ebenfalls Teil der Szene, fährt durch Berlin und erzählt von den Veränderungen und dem Druck auf dem Wohnungsmarkt, den er seit dem Mauerfall in der ganzen Stadt wahrnimmt. Mit Protagonist*innen aus der linksautonomen Szene Berlins macht der Film die Verluste der Stadtgesellschaft durch Gentrifizierung erfahrbar.
Umsetzung
Der Film ist in Perspektive und Umsetzung solidarisch mit den Menschen, die ihre Jugend-, Freizeit- und Wohnräume verlieren. Diese stellen ihre Projekte selbst vor, ohne dass andere Stimmen, z. B. Bewegungsforscher*innen, Politiker*innen etc., hinzugefügt werden. Auch auf der Ton- und Bildebene positioniert sich der Film: während wir einen Teil der Räumung des Köpi Wagenplatzes durch die Polizei sehen, die mit großen Geräten wie einem Räumpanzer vorgeht, hören wir einen Redebeitrag und Sprechgesang der Demonstration dagegen als Kommentar. Die ruhigeren Taxifahrten verbinden die Schauplätze miteinander, gleichzeitig wird das Taxi zu einem kontrastreichen Zwischenraum, in dem die Orte in den Kontext der Entwicklung des Immobilienmarktes gesetzt und Anekdoten erzählt werden. Die Motive der Zerstörung durch die Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt, etwa bei der Räumung oder dem letzten Aufräumen der Potse vor der Schlüsselabgabe, lösen sich ab mit bestärkenden Motiven des Weitermachens, beispielsweise lauten Konzerten. Für diese Konzertaufnahmen gewann der Film den Preis für die beste Musik in einem Dokumentarfilm beim Filmfestival Max Ophüls Preis.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit welchen gestalterischen Mitteln sich der Film zu gesellschaftlich relevanten Themen positioniert, kann Gegenstand der Auseinandersetzung über Filmsprache, Ästhetik und politische Kunst werden. Der Film lädt Schüler*innen dazu ein, über Solidarität und Gemeinschaft, über Jugend- und Subkultur, Kunst, Musik und ihre eigenen Zugehörigkeiten zu sprechen. Dazu liegt nahe, selbst aktiv und kreativ zu werden, etwa Unterstützungsstrukturen in der Klasse oder Nachbarschaft aufzubauen oder eigene politische Positionen in Kunst auszudrücken. Die komplexen Themen Mietenpolitik, Gentrifizierung, Kapitalismus und Polizei werden in lebensnahe Realitäten übersetzt und regen weitere Recherchen und Diskussionen an.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Roman Woopen
,
04.04.2024
,
letzte Aktualisierung:
06.06.2024
Regie
Johannes Blume
Buch
Johannes Blume
Darsteller*innen
Mitwirkende: Yok, Paul, Mieze, Soso, Domi, Lilli, Junky Juggler, Christian, Beavis, Elenos, Oihane, Alessandro, Miss Tobi, Spikey Mikey und JOi!Stick. u. a.
Länge
90 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung, Untertitel für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Filmgalerie 451
Festivals
Filmfestival Max Ophüls Preis 2024: Beste Musik in einem Dokumentarfilm; achtung berlin 2024