Inhalt
New York, 1950: Im Auftrag der US-Justiz soll der Versicherungsanwalt James Donovan den jüngst gefassten Sowjetspion Rudolf Abel eigentlich nur pro forma verteidigen. Stattdessen riskiert er sein Ansehen als amerikanischer Patriot und bewahrt seinen Mandanten vor dem elektrischen Stuhl. Sein Verhandlungskalkül: Als Unterpfand eines künftigen Agentenaustauschs könnte Abel noch wertvoll sein. Als ein amerikanischer Aufklärungspilot über der Sowjetunion abgeschossen wird, tritt der Fall ein – und wieder findet sich Donovan auf heikler Mission. Im verschneiten Ost-Berlin verhandelt er mit den Behörden von UdSSR und DDR die Modalitäten eines Austauschs. Indem Donovan die Interessen erneut klug gegeneinander ausspielt, bewirkt er 1962 den ersten Gefangenenaustausch auf der Glienicker Brücke und wird in der Heimat vom Volksverräter zum Volksheld.
Umsetzung
Mit gewohnter Meisterschaft inszeniert Regisseur Steven Spielberg einen packenden Agentenfilm nach wahren Begebenheiten. Das Bild des Kalten Kriegs wird bestimmt von kühlen, winterlichen Farben, lässt aber auch Raum für Humor: Im klirrend kalten Ost-Berlin kämpft Anwalt Donovan verzweifelt gegen eine Erkältung. Wichtigstes Strukturprinzip des Films sind zahllose inhaltliche Parallelen. So werden in teils spiegelbildlich konstruierten Szenen die dramatischen Gegensatzpaare – zwei Großmächte, zwei sozialistische Staaten, zwei Agenten – miteinander in Beziehung gesetzt, wobei sich die ideologischen Gegensätze nahezu auflösen: USA und UdSSR kämpfen auf dem Feld der Spionage mit denselben zynischen Mitteln. Spielbergs klassischem Umgang mit Kamera und Montage, die die Aufmerksamkeit nie auf sich ziehen, entspricht sein dezenter Einsatz von Musik. Lediglich zum glücklichen Ausgang der Handlung erlaubt sich die orchestrale Untermalung etwas Pathos.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Spielbergs Hommage an den legendären Chefunterhändler James Donovan (1916-1970) erweist sich als kritische Auseinandersetzung mit Politik und Justiz der 1950er-Jahre. In mehreren Szenen wird die antikommunistische Stimmung der McCarthy-Zeit zum Thema gemacht – sie reicht von den Behörden über die Presse bis in Donovans Familie. Donovans teils emphatisch vorgetragene Argumente für ein unabhängiges Justizsystem können im Politik- und Geschichtsunterricht ebenso erörtert werden wie deutlich beabsichtigte Parallelen zur Terrorismusbekämpfung der Gegenwart. Der besondere Aufbau des Films erlaubt zudem detaillierte szenische Vergleiche sich wiederholender Ereignisse und Motive: Wie etwa zeigt der Film den Prozess gegen Abel in den USA, wie die Verurteilung des amerikanischen Piloten in der Sowjetunion? Nicht zuletzt lohnt sich der Hollywoodfilm als ungewohnt plastische Darstellung der DDR und der innerdeutschen Grenze.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Phillip Bühler
,
09.01.2019
,
letzte Aktualisierung:
14.05.2024
Regie
Steven Spielberg
Buch
Joel Coen, Ethan Coen, Matthew Charman
Darsteller*innen
Tom Hanks, Mark Rylance, Alan Alda, Sebastian Koch, Amy Ryan u.a.
Länge
142 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, Originalfassung, Audiodeskription und erweiterte Untertiteln über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
20th Century Fox of Germany
Festivals
New York Film Festival 2015