Inhalt
Im Januar 2013 erhielt die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die mit kritischen Filmen über den Irak-Krieg und das US-Gefangenenlager Guantànamo bekannt wurde, erstmals verschlüsselte Emails von einem gewissen „Citizenfour“. Deren war brisant. Es ging um Beweise für die maßlose Überwachung durch die NSA. Fünf Monate später reiste Poitras mit dem Journalisten Glenn Greenwald nach Hongkong und traf dort einen jungen Mann: Edward Snowden. Der Rest ist Geschichte. Acht Tage lang interviewten Greenwald und sein Kollege Ewen MacAskill den Computerspezialisten, Poitras dokumentierte mit der Kamera. Die ersten Enthüllungsartikel erschienen und am Ende outete sich Snwoden als Whistleblower. Seitdem wissen wir, dass die USA und ihre engsten Verbündeten private Telefon- und Internetkommunikation ausspähen, entsprechende Daten sammeln und damit weltweit die Privatsphäre von Millionen von Menschen verletzen.
Umsetzung
„Citizenfour“ ist keine unparteiische Dokumentation, denn die Regisseurin war 2013 zugleich auch Akteurin bei der Aufdeckung des NSA-Skandals. Doch genau das macht den Film zu einem spannenden Zeitdokument. Poitras öffnet quasi die Türen zu Snowdens Hotelzimmer und erlaubt, Zeuge der geradezu konspirativen Treffen zu werden. Neben Details über die Abhörpraxis der Geheimdienste erfährt man so einiges über die Arbeit der Journalisten und natürlich über Snowden selbst, der anfangs betont, dass nicht er „die Story“ sei, sondern die Bespitzelung durch NSA & Co. Mitunter wirkt „Citizenfour“ wie ein Spionagethriller, was auch daran liegt, dass Poitras ihre Doku wie einen Spielfilm mit Schuss-/Gegenschuss-Einstellungen, Nahaufnahmen und sogar Subjektiven inszeniert hat. Eingebettet sind die Gespräche in ein Davor und Danach, in denen auch andere Whistleblower und Internet-Aktivisten zu Wort kommen oder Greenwald bei seiner weiteren Arbeit gezeigt wird.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film wirft zahlreiche politische, aber auch moralische Fragen auf. Für viele ist Edward Snowden ein Verräter, der die Sicherheit der USA gefährdet hat. Andere sehen in ihm einen Helden, der uneigennützig die Verletzung von Grundrechten aufgedeckt hat. Hier ist eine begründete Einschätzung der Schüler/innen interessant, was zu der Frage führt, ob Deutschland Snowden politisches Asyl gewähren soll bzw. kann. Darüber hinaus zeigt „Citizenfour“, wie verwundbar Kommunikation im digitalen Zeitalter ist. Wer Internet, Handys oder Kreditkarte nutzt, hinterlässt Spuren, die ausgewertet werden können. Welche Folgen hat dies für die Freiheit jedes Einzelnen? Was passiert, wenn wir befürchten müssen, dass private Emails oder Gespräche kontrolliert werden? Nicht zuletzt sollte auch über die geheimdienstliche Abhörpraxis diskutiert werden: Leben wir bereits in einem Überwachungsstaat oder ist das uneingeschränkte Ausspähen ein Garant für Sicherheit und Frieden?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
03.11.2014
,
letzte Aktualisierung:
27.09.2016
Regie
Laura Poitras
Buch
Konzept: Laura Poitras
Darsteller*innen
Mitwirkende: Edward Snowden, Glenn Greenwald, Ewen MacAskill, William Binney, Jacob Appelbaum, Jeremy Scahill u.a.
Länge
114 Min
Sprachfassung
englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Piffl Medien
Festivals
DOK Leipzig 2014: Eröffnungsfilm und Filmpreis „Leipziger Ring“, New York Filmfestival 2014