COEXISTENCE, MY ASS! bringt dokumentarische Resilienz auf die Bühne. Fünf Jahre politischer Spannungen verdichten sich in einer eigens inszenierten Comedy-Show. Entstanden zwischen Pandemie, Protest und Verdrängung ist dies ein Film, der fragt, wer sprechen darf, wer zuhört und ob Zusammenleben mehr ist als eine Illusion, solange Machtverhältnisse unausgesprochen bleiben.
Genre
Dokumentarfilm
,
Biografie
Klassenstufe
ab 11. Klasse
Altersempfehlung
ab 16 Jahre
Unterrichtsfächer
Politik, Geschichte, Ethik, Religion, Englisch, Erdkunde, Kunst, fächerübergreifend: Demokratiebildung
Noam Shuster-Eliassi wuchs in Neve Shalom/Wahat al-Salam auf – einer in den 1960ern gegründeten jüdisch-arabischen Koexistenzsiedlung westlich von Jerusalem. Die Gemeinschaft entstand als Gegenmodell zur politischen Realität: ein Ort, an dem jüdische und palästinensische Familien freiwillig zusammenleben. Noam lernte früh, sich zwischen Sprachen, Kulturen und Narrativen zu bewegen. Sie galt als Hoffnungsträgerin des Friedenslagers, studierte Internationale Beziehungen in den USA und arbeitete für die Vereinten Nationen – bis sie an symbolischer Gleichheit, politischen Auslassungen und performativer Diplomatie zweifelte. COEXISTENCE, MY ASS! begleitet sie über fünf Jahre: von ihrer Harvard-Residenz bis zur Rückkehr nach Israel, wo Humor zum Mittel des Widerstands wird. Nach dem 7. Oktober 2023 brechen Gewissheiten auf, Beziehungen zerreißen. Der Film zeigt, wie persönlicher Schmerz und politisches Erwachen ineinandergreifen und fragt: Was bedeutet Koexistenz, wenn Gerechtigkeit fehlt?
Umsetzung
Amber Fares inszeniert die Geschichte Noam Shuster-Eliassis als dicht montiertes Langzeitporträt zwischen politischem Dokument, persönlicher Spurensuche und Bühnenperformance. Archivmaterial, Alltagsbeobachtungen und intime Vérité-Momente fügen sich zu einer fragmentarischen, aber präzise gesetzten Erzählung. Statt klassischer Interviews oder erklärender Kommentare setzt der Film auf die strukturierende Kraft des Stand-Ups, auf Sprachvielfalt, Stimmungswechsel und visuelle Kontraste: zwischen Lachen und Tränen, Bühne und Backstage, Hoffnung und Erschöpfung. Die Montage von Rabab Haj Yahya bringt Tempo und Tiefe zugleich, verknüpft Noams Comedy-Set mit politischer Realität und emotionaler Verdichtung. Dabei bleibt Noam immer präsent, nicht als Heldin, sondern als suchende Erzählerin. Der Film findet eine Form, die ihrem Humor und ihrer Haltung gerecht wird: unbequem, zugänglich, vielschichtig.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
COEXISTENCE, MY ASS! eröffnet einen emotional wie analytisch zugänglichen Blick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, aus einer Perspektive, die sich gängigen Identitätszuschreibungen entzieht. Thematisiert werden Narrative von Zugehörigkeit, Erinnerung, Widerstand und Komplizenschaft sowie Begriffe wie „Koexistenz“, „Asymmetrie“ und „öffentliche Meinung“. Zur Diskussion stehen auch performative Selbstbehauptung in polarisierten Räumen und Formen künstlerischer Intervention. Filmsprachlich lassen sich Struktur, Montage, Sprachwechsel und dokumentarische Nähe analysieren, mit Fokus auf subjektive Erzählweise, kollaborative Autorinnenschaft und ästhetischen Widerstand. Auch die Produktionsumstände während der COVID-19-Pandemie, unter politischem Druck und fehlender Marktzugänglichkeit, geben Anlass zur Reflexion. Wie verändert es einen Film, wenn er nicht überall gezeigt werden darf?
Video(s) zum Film
Veranstaltungen
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