Inhalt
Wer hätte das gedacht? Gott lebt in einem fensterlosen Hochhaus-Appartement mitten in Brüssel. Mit Hilfe seines Computers macht der in einen Bademantel gewandete Herr den Menschen das Leben mit Katastrophen und heimtückischen Geboten schwer. Seine Frau unterdrückt der Rüpel ebenso wie seine 10-jährige Tochter Ea, die das miese Verhalten ihres Vaters nicht länger mitansehen will. Wie es ihr Bruder Jesus früher öfter getan hat, flüchtet Ea durch einen Geheimtunnel in der Waschmaschine in die Brüsseler Innenstadt. Vorher sabotiert das Mädchen aber noch das väterliche Werk, indem sie allen Menschen eine Kurznachricht mit ihrem exakten Sterbezeitpunkt sendet. Auf der Erde bringt dieses Wissen einiges durcheinander, da die Menschen ihre Lebenszeit nun bewusster verbringen wollen. Während der erboste Gott seine Tochter verfolgt, erweitert Ea den Kreis der zwölf Apostel um sechs weitere Männer und erstmals auch Frauen, deren Geschichten der obdachlose Victor für ein brandneues Testament aufschreiben soll.
Umsetzung
Die skurrile Prämisse von „Das brandneue Testament“ inszeniert Jaco Van Dormael als märchenhafte Komödie mit einer Fülle an erzählerischen und vor allem visuellen Ideen. Von schwarzem Humor über verspielten Slapstick bis hin zu ernster Dramatik wechselt der belgische Regisseur mehrfach die Tonart und wirft in pointierten Episoden Schlaglichter auf die Lebenswege der sechs neuen Apostel. Sie alle eint, dass sie am Leben verzweifeln und Ea freimütig davon berichten. Die schöne Aurélie verlor beispielsweise als Mädchen einen Arm und fühlt sich bis heute als Außenseiterin, während sich die gelangweilte Ehefrau Martine in einen Gorilla verliebt. Als Hauptfigur agiert die von Pili Groyne charmant gespielte Ea, die gegen die Weltordnung ihres Vaters rebelliert und sich als Erzählerin direkt ans Publikum wendet. Die visuelle Ebene arbeitet mit erdigen Farben und zahlreichen CGI-Effekten, die dem Film einen magischen Realismus einhauchen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Zunächst kann „Das brandneue Testament“ ein Gedankenspiel anregen. Was wäre, wenn die Menschen ihren Todeszeitpunkt tatsächlich kennen würden? Im Film bringt das von den Medien auf den Namen „Death Leak“ getaufte Ereignis zum Beispiel neue Internet-Stars in den sozialen Netzwerken hervor. Im Religionsunterricht kann die aberwitzige Variation der Schöpfungsgeschichte in den Blick rücken. Welche Elemente entstammen der Bibel, welche sind neu hinzu gedichtet? Dass Jesus mit Ea eine taffe Schwester erhält, kann als emanzipatorisches Statement verstanden werden. So zeigt bereits das Eröffnungsbild Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde „Das Abendmahl“, das um sechs weitere (auch weibliche) Apostel erweitert ist – und am Ende bringt Gottes Frau das Chaos wieder ins Lot. Ebenfalls besprechenswert ist die Figurenzeichnung, die im Rahmen der Episodenstruktur sehr pointiert ausfällt. So nutzt Jaco Van Dormael neben den visuellen Effekten auch Musikstücke wie „Das schöne Mädchen“ von Schubert als Mittel der Charakterisierung.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
09.01.2019
,
letzte Aktualisierung:
09.01.2019
Regie
Jaco Van Dormael
Buch
Thomas Gunzig, Jaco Van Dormael
Darsteller*innen
Pili Groyne, Benoît Poelvoorde, Yolande Moreau, François Damiens, Laura Verlinden, Catherine Deneuve u.a.
Länge
113 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
Internationale Filmfestspiele von Cannes, Quinzaine des réalisateurs 2015; Filmfest Hamburg 2015