Inhalt
Als Pierre Jarjeau im Jahr 1979 nach einem Aufenthalt auf einer US-Ranch in seine französische Heimat zurückkehrt, trifft er eine für sein Leben wegweisende Entscheidung. Von seinem Vater Jacques erwirbt er dessen Hof und muss im Folgenden regelmäßig Pacht für das bewirtschaftete Land entrichten. 17 Jahre später haben Pierre und seine Frau Claire zwei Kinder im Teenageralter und leiden unter einer stetig anwachsenden Schuldenlast. Seine Rettung sieht der Bauer, wie von seiner Bank angeregt, in einer Erweiterung seiner Farm, für die er neue Kredite aufnehmen muss. Sinkende Preise und Knebelverträge verhindern allerdings den ersehnten Befreiungsschlag. Ein Brand auf ihrem Anwesen stürzt Pierre schließlich in eine schwere psychische Krise, die seine Familie mit großer Sorge verfolgt.
Umsetzung
In seinem Spielfilmdebüt verarbeitet Edouard Bergeon die Geschichte seines eigenen Vaters. Die zuversichtliche Haltung des Protagonisten spiegelt sich zu Beginn in hellen, kräftig leuchtenden Landschaftsbildern und einem strahlend blauen Himmel wieder. Die Aufnahmen, die im Jahr 1996 spielen, fallen dagegen weniger satt aus. Und immer häufiger hängen graue Wolken über dem Hof. Den Wandel der Landwirtschaft hin zu einer industrialisierten Massentierhaltung, den Preisverfall und die zunehmende Abhängigkeit eines bäuerlichen Betriebs von Großkonzernen thematisiert der Film wiederholt. In erster Linie ist DAS LAND MEINES VATERS aber das Drama einer langsam auseinanderbrechenden Familie. Schön wäre es gewesen, wenn der Regisseur die gesellschaftspolitischen Druckmechanismen hinter seinem erschütternden Abschlussstatement („Zurzeit begeht in Frankreich jeden Tag ein Landwirt Selbstmord“) noch etwas konkretisiert hätte.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Ausgehend von den Konflikten zwischen Pierre und Jacques, der die Modernisierungsmaßnahmen seines Sohnes ständig kritisiert, kann man detaillierter untersuchen, welchen Veränderungen die Landwirtschaft in den letzten fünf Jahrzehnten unterworfen war. Fragen lässt sich dabei nicht nur nach der Rolle der EU, deren Bestimmungen im Film kurz Erwähnung finden, sondern auch nach dem Einfluss großer Konzerne, die Bauern und Bäuerinnen, wie hier dargestellt, etwa zur Abnahme bestimmter Futtermittel verpflichten. Diskussionswürdig sind in diesem Zusammenhang zudem das Verhalten der Verbraucher*innen und der Weg, den wir in der Agrarkultur in Zukunft beschreiten wollen. In filmsprachlicher Hinsicht drängt sich mit Blick auf die oben angesprochenen atmosphärischen Unterschiede zwischen den Jahren 1979 und 1996 eine eingehende Analyse der Farbgebung und Lichtsetzung im Zusammenhang mit der Wirksamkeit dieser Bildgestaltung auf.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christopher Diekhaus
,
02.11.2021
,
letzte Aktualisierung:
24.11.2021
Regie
Edouard Bergeon
Buch
Edouard Bergeon, Emmanuel Courcol, Bruno Ulmer
Darsteller*innen
Guillaume Canet, Veerle Baetens, Anthony Bajon, Rufus, Samir Guesmi, Yona Kervern, Solal Forte, Mélanie Raffin, Marie-Christine Orry u. a.
Länge
104 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung, auch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Weltkino Filmverleih
Festivals
Festival du Film Francophone d'Angoulême 2019, French Film Festival 2020 (Australien), New Zealand International Film Festival 2020