Inhalt
Gegen einen kargen Lohn verdingt sich der junge Arben, wie alle Bewohner seines albanischen Bergdorfs, regelmäßig als Gastarbeiter. Als seine große Liebe Etleva ein Kind von ihm erwartet, verlangt ihre Familie ein hohes Brautgeld: 10.000 Euro. Arben verspricht Etleva, das Geld aufzutreiben in Deutschland. Ohne Visum, Arbeitserlaubnis und Sprachkenntnisse, sieht er sich allerdings schnell mit dem Scheitern seiner Hoffnungen konfrontiert. Aber Arben gibt nicht auf. Als er gegen gutes Geld bei einer Schlepperbande unterkommt, scheint sich sein Schicksal zu wenden. Doch dann wird sein Chef von einem Rivalen getötet. Verzweifelt begeht Arben einen brutalen Raubüberfall, um dann mit dem erbeuteten Geld nach Albanien zurückzukehren. Doch mittlerweile hat Etleva aufgehört, auf ihn zu warten.
Umsetzung
Der Albaner von Johannes Naber erzählt eine bewegende Geschichte über einen Menschen, der aus Not zum Verbrecher wird und über ein Versprechen, das gehalten, und doch gebrochen wird. Die soziale und kulturelle Fallhöhe auf der einen Seite das arme, traditionsbewusste Albanien, auf der anderen Seite der reiche Wohlstandsstaat Deutschland macht Naber in visuellen Kontrasten deutlich. In epischen Totalen zeichnet die Kamera ein malerisches Bild der albanischen Bergheimat des Protagonisten, das zu den tristen Farben, dem Dauerregen und der harten Realität im "Sehnsuchtsziel" Deutschland in schroffem Gegensatz steht. Elegische Klänge begleiten die dramatische Wandlung, die Arben als Mensch durchläuft, und verleihen dem Geschehen auch atmosphärisch die Tiefe einer klassischen Tragödie.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Albaner greift in seiner Erzählung die Lebensbedingungen in Albanien und Deutschland auf, was einen guten Ausgangspunkt darstellt, um in der filmpädagogischen Arbeit die sozialen und ethnischen Unterschiede innerhalb Europas zu beleuchten. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf illegale Ausländerbeschäftigung in Deutschland herauszuarbeiten. Anhand der psychischen Veränderung des jungen Protagonisten, der fern der Heimat zwischen Elend und Hoffnung in einen brutalen Überlebenskampf gezwungen ist, offeriert der Film zudem gute Anknüpfungspunkte, um ethische Fragestellungen einzubeziehen. Spannend ist es sicher auch, die Stilmittel zu analysieren, mit denen der Film die unterschiedlichen Erfahrungswelten des Protagonisten visualisiert und dramatisiert.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ula Brunner
,
26.06.2011
,
letzte Aktualisierung:
29.09.2016
Regie
Johannes Naber
Buch
Johannes Naber
Darsteller*innen
Nik Xhelilaj, Xhejlane Terbunja, Ivan Shvedoff, Amos Zaharia, Stipe Erçeg, Çun Lajçi, Luan Jaha, André M. Hennicke, Bruno Shllaku u. a.
Länge
107 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Zorro Film
Festivals
32. Filmfestival Max Ophüls Preis 2011: Max Ophüls Preis; 32. Internationales Moskauer Filmfest: Bester Darsteller (Nik Xhelilaj), 28. Filmfest München 2010