Inhalt
An einem kleinstädtischen Gymnasium ist der pompöse Professor Immanuel Rath der Schrecken seiner Schüler. Als er bei ihnen aufreizende Revuepostkarten mit dem Bild einer Sängerin namens „Lola Lola“ entdeckt, begibt er sich in das Etablissement Der blaue Engel, um die Dame zurechtzuweisen – und verliebt sich in sie. Es ist der Beginn seines Untergangs. Vom Direktorium zur Rede gestellt und von seinen Schülern als „Unrath“ verlacht, quittiert er kurzerhand den Schuldienst und heiratet Lola. Doch sie wird des steifen Professors, der sich schließlich sogar ihrer Tingeltangeltruppe anschließt, schnell überdrüssig. Während eines Gastspiels in seiner Heimatstadt erlebt er, auf offener Bühne als dummer August verkleidet, seine ultimative Demütigung.
Umsetzung
Vor allem in den frühen Szenen zeigt sich der spätere Welterfolg noch sehr dem Stummfilm verhaftet. Die Dialoge sind kurzgehalten, die Kulissen rund um den verruchten Blauen Engel grotesk überzeichnet im noch immer expressionistischen Stil. Insbesondere der langjährige Ufa-Star Emil Jannings zelebriert seine Rolle mit großen Gesten und wirkt damit fast so aus der Zeit gefallen wie seine Figur des Immanuel Rath. Alles ändert sich mit dem Auftritt der jungen Marlene Dietrich als Lola, die mit umwerfender Natürlichkeit nicht nur ihr „Professorchen“ um den Finger wickelt. Die Szenen in ihrer Garderobe, aus denen sich der Film größtenteils zusammensetzt, sind perfekt komponiert und von Menetekeln durchsetzt: ein Tanzbär wird durch die Szenerie geführt, ein trauriger Clown betrachtet ungläubig das Geschehen – alles Anspielungen auf das Schicksal des Professors, der auch das mehrfach eingeblendete Glockenspiel „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit“ nicht bemerken will. Auffällig ist ein Sprung in der Handlung, der die ersten Jahre der unglücklichen Ehe der Fantasie des Publikums überlässt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Bereits die Produktionsgeschichte von „Der blaue Engel“ bietet tiefe Einblicke in die Seelenlage der Weimarer Republik. Die Buchvorlage „Professor Unrat“ des als links geltenden Schriftstellers Heinrich Mann war der konservativen Ufa so suspekt, dass nicht einmal der Titel übrig blieb. Aus der sozialkritischen Satire wurde der Untergang eines Spießbürgers, der seine Grenzen missachtet. Selbst die wütendsten Kritiken kamen aber nicht umhin, die technische Perfektion des neuen Tonfilms zu bewundern. Für die zuvor fast unbekannte Marlene Dietrich markierte der Film den Beginn ihrer Hollywood-Karriere – zur Premiere am 1. April 1930 saßen sie und Regisseur Josef von Sternberg bereits auf gepackten Koffern. Neben der Analyse umfangreich vorhandener Materialien lohnt aber auch die psychologische Betrachtung der Figuren. Ist Lola nur die eiskalte Verführerin, oder ist Rath nicht vielmehr unfähig, die Freiheit anzunehmen, die sie ihm bietet? In vielem wirkt von Sternbergs Blick auf das Showbusiness keineswegs eingestaubt, sondern noch immer aktuell.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Philipp Bühler
,
07.04.2020
,
letzte Aktualisierung:
29.07.2022
Regie
Josef von Sternberg
Buch
Robert Liebmann, Karl Vollmoeller, Carl Zuckmayer nach dem Roman „Professor Unrat“ von Heinrich Mann
Darsteller*innen
Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valtti, Hans Albers, Reinhold Bernt, Eduard von Winterstein u. a.
Länge
108 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung, Untertitel für Hörgeschädigte
Format
digitalisiert, scharz-weiß
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung