Inhalt
Im Jahr 1874 beginnt der junge Lehrer Konrad Koch an einem Braunschweiger Gymnasium Englisch zu unterrichten - ein Pilotprojekt an der kaiserlich strengen Schule. Da sich seine Schüler für die fremde Sprache nicht begeistern können, verlegt Koch den Unterricht kurzerhand in die Turnhalle und bringt ihnen eine in Deutschland noch unbekannte Sportart bei: das Fußballspiel, das Koch in England kennen und schätzen gelernt hat. Mit Sport will er allerdings nicht nur englische Vokabeln vermitteln, sondern vor allem ethische Werte: Teamgeist, Solidarität und Fairplay". Mit seinen progressiven Lehrmethoden stößt der Pädagoge allerdings zunehmend auf Widerstand bei konservativen Kollegen, Eltern und Würdenträgern, für die Bildung gleichbedeutend mit preußischen Drill, Gehorsam und Disziplinierung ist. Sie wollen, dass Koch die Schule verlässt.
Umsetzung
Auf wahren Begebenheiten basierend, erzählt der Unterhaltungsfilm Der ganz große Traum nicht nur von einem historischen Ereignis - der Einführung des Fußballs in Deutschland -, sondern vor allem vom Integrationspotenzial dieses Spiels und vom Zusammenwachsen einer im Prinzip ständisch organisierten Klassengemeinschaft durch Mannschaftssport. So kann sich etwa Joost, der als einziges Arbeiterkind der Klasse gemobbt wird, als talentierter Kicker Respekt erkämpfen. Und der Ton angebende Großbürgerssohn Felix, der auf dem besten Weg ist, ein Untertan" zu werden, erkennt schließlich den Wert des Gemeinschaftssinns. Nebenbei gibt der Film Einblicke in das Schul- und Gesellschaftssystem im Deutschen Kaiserreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der ganz große Traum erzählt seine Geschichte chronologisch und mit vielen komischen Momenten, ist auf wenige Schauplätze reduziert und stellt eine überschaubare Anzahl von unterscheidbaren, zum Teil etwas überzeichneten Protagonisten/innen in den Mittelpunkt.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Schule und Fußball - das sind zentrale Themen von Der ganz große Traum. So regt der Film einerseits dazu an, sich im Unterricht mit der historischen Figur Konrad Koch (1846-1911) sowie mit der Kulturgeschichte des Fußballsspiels zu beschäftigen, das im Deutschen Kaiserreich vielerorts lange verboten und als englische Krankheit" verpönt war. Wie wurden damals Vorbehalte gegen diese Sportart begründet? In Bezug auf die Historie kann auch die filmische Darstellung sozialer Realität hinterfragt werden, denn Fußball war anfangs in Deutschland kein Breitensport, sondern wurde überwiegend in der Oberschicht praktiziert. Inwiefern dieser Sport integrative Funktionen erfüllt, ist ein weiteres Thema, wobei Schüler/innen eigene Erfahrungen einbringen können. Ferner ist der Film ein guter Einstieg, um sich historisch mit den Themen Schule und Bildung zu beschäftigen, wobei ein Schwerpunkt auf die - oft politische - Rolle der Leibesertüchtigungen" gelegt werden kann. Um den Wandel der Erziehungsziele und -methoden für Schüler/innen nachvollziehbar zu machen, könnte man etwa einen Schultag im Kaiserreich nachspielen. Dabei können auch Aspekte wie Volksbildung oder Koedukation diskutiert werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
25.12.2010
,
letzte Aktualisierung:
25.10.2019
Regie
Sebastian Grobler
Buch
Philipp Roth, Johanna Stuttmann
Darsteller*innen
Daniel Brühl, Burghart Klaußner, Justus von Dohnányi, Kathrin von Steinburg, Axel Prahl, Theo Trebs, Adrian Moore u.a.
Länge
105 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
35mm
FSK
ohne Altersbeschränkung
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
Senator Filmverleih