Inhalt
Die Engel Damiel und Cassiel waren da, bevor es Menschen gab. Im West-Berlin der 1980er Jahre lauschen sie den Gedanken der Erdenbürger und spenden unbemerkt Trost. Darüber hinaus nicht ins Leben eingreifen zu können, frustriert Damiel. Als er sich in die einsame Trapezkünstlerin Marion verliebt, fasst er den Entschluss, sein körperloses Dasein aufzugeben und Mensch zu werden. Die sinnliche Erfahrung erweist sich als überwältigend: Damiel kann schmecken, riechen und fühlen und sieht die Welt erstmals in Farbe.
Umsetzung
„Der Himmel über Berlin“ ist ebenso Hommage an das alte West-Berlin wie an die Filmkunst an sich. Ästhetische Mittel des Stummfilms verdichten sich mit modernen Elementen zu einer unwirklichen Großstadtpoesie. Auf sich überlagernden Tonspuren hören wir die Gedanken von Engeln und Menschen, philosophische Fragen zu Dasein und Endlichkeit stehen gleichberechtigt neben dem Alltäglich-Banalen. Auch die elegant schwebenden Kamerafahrten mit zahlreichen Obersichten aus Himmelsperspektive erzeugen eine traumartige Atmosphäre. Dass die Rätsel himmlischer Existenz – so können etwa Kinder die Engel sehen, Erwachsene aber nicht – nie ganz erklärt werden, lässt der Fantasie Freiräume. Der Entschluss, die Engel schwarzweiß sehen zu lassen, die Menschen hingegen in Farbe, erwies sich als folgenreich: Die technisch komplizierte Mischung von Farb- und Schwarzweißmaterial resultierte in einem deutlichen Verlust an Schärfe und Auflösung. Durch die digitale Restaurierung erscheint der Film nun erstmals in der intendierten Form.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Wiederaufführung des Klassikers macht deutlich, wie sehr dieser selbst das filmische Erinnern zum Prinzip hat. So ist die fantastische Handlung durchsetzt von Archivbildern, die das zerstörte Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen. Zu den Wunden der Stadt gehört auch die Mauer, die Damiel und Cassiel einmal gar gen Osten durchqueren. Als Dokument der deutschen Teilung eignet sich der Film mithin hervorragend für den Geschichtsunterricht. In Religion und Philosophie können Darstellung und Bedeutung der Engel erörtert werden. Gespielt von Bruno Ganz und Otto Sander, kennzeichnen sie allein lange Mäntel und ein kleiner Zopf als Himmelswesen. Wirken sie neben heutigen digitalen Superhelden wie aus der Zeit gefallen, ist das von ihnen verkörperte Verlangen nach sinnlicher Erfahrung und „echtem Leben“ doch weiterhin aktuell. In technischen Fächern wie Physik ist auch die Umwandlung von analogem Film auf digitales Material ein spannendes Thema.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Philipp Bühler
,
28.03.2018
,
letzte Aktualisierung:
05.05.2020
Regie
Wim Wenders
Buch
Wim Wenders, Peter Handke, Richard Reitinger
Darsteller*innen
Bruno Ganz, Otto Sander, Solveig Dommartin, Curt Bois, Peter Falk u.a.
Länge
128 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, schwarz-weiß, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
FBW
Prädikat "wertvoll"
Verleih
StudioCanal (Wiederaufführung)
Festivals
IFF Cannes 1987: Preis für die beste Regie; Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold, Preis für die beste Kamera; Europäischer Filmpreis 1988: Beste Regie, bester Nebendarsteller (Curt Bois); Bayerischer Filmpreis 1988: Regiepreis