Inhalt
Heutzutage würde man Antoni Benaiges wohl als idealen Pädagogen preisen: ein passionierter Lehrer, der neue Wege geht, um seinen Stoff zu vermitteln und seine Schüler*innen als Persönlichkeiten wertschätzt. Doch 1936 sorgt er mit seinen reformpädagogischen Ansätzen zwar für Begeisterung bei den Kindern, aber noch mehr für Irritation bei ihren Eltern und beim mächtigen Klerus. Zudem hält der Katalane Benaiges mit seinen linkspolitischen Ansichten nicht hinterm Berg. Die Zweite Spanische Republik steht in dieser Zeit schon auf tönernen Füßen und der Putsch vom Faschisten und späteren Diktator Francisco Franco (1892 - 1975) ist nicht mehr weit. Benaiges, der seinen Schützlingen unbedingt das Meer zeigen will, wird einer von zehntausenden Verschwundenen sein. Über 70 Jahre später werden in der Gegend anonyme Massengräber ausgehoben. Ariadna, eine junge Frau aus Barcelona, will Licht in die totgeschwiegene Vergangenheit ihrer Familie bringen und stößt dabei auf die Spur des Lehrers.
Umsetzung
Beide Erzählstränge – der fiktionale um Ariadna im Jahr 2010 und der auf realen Ereignissen basierende um Antoni Benaiges 1936 – sind in DER LEHRER, DER UNS DAS MEER VERSPRACH miteinander verwoben. Die Toten lassen den Lebenden keine Ruhe, weil das damals geschehene Unrecht in vielen Fällen nicht aufgearbeitet worden ist. Der Film von Regisseurin Patricia Font erinnert an die dunkle Vergangenheit Spaniens im 20. Jahrhundert. Erst ab dem Jahr 2000 wurde damit begonnen, die bislang 2.557 registrierten Massengräber der Franco-DikTatur auszuheben. Der Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen. Dabei ist die Geschichte des Lehrers trotz ihres absehbar tragischen Ausgangs sehr warmherzig erzählt. Der Dunkelheit der Repression durch das Regime wird das Engagement eines Einzelnen entgegengesetzt. In seinen Schützlingen weckte Antoni Benaiges weit mehr als nur die Sehnsucht nach dem Meer, das er ihnen unbedingt zeigen möchte.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Neben einer geschichtlichen Auseinandersetzung mit der Franco-Diktatur können die faschistischen Regime Deutschlands und Spaniens miteinander verglichen werden, deren Herrschaft einen sehr unterschiedlichen Verlauf nahmen. Jahrzehnte später beeinflusst die gewaltsame Machtübernahme in Spanien noch die Nachgeborenen. Daran anknüpfend kann mit den Schüler*innen diskutiert werden, warum und inwiefern die Vergangenheit unser Leben beeinflusst und welche Rolle die historische Aufarbeitung dabei spielt. Die Schüler*innen können dazu ermutigt werden, in ihrer eigenen Familiengeschichte nach dem Einfluss der historischer Ereignisse zu forschen, zum Beispiel unter dem Gesichtspunkt von Migration, Verfolgung, Vertreibung oder Kriegsdienst. Außerdem kann analysiert werden, wie der Film Fiktion und Fakten miteinander verknüpft, sie in eine filmgerechte Dramaturgie einpasst und über eine unterschiedliche Farbgestaltung charakterisiert.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dörthe Gromes
,
27.01.2025
,
letzte Aktualisierung:
30.06.2025
Regie
Patricia Font
Buch
Albert Val nach dem gleichnamigen Roman von Francesc Escribano
Darsteller*innen
Enric Auquer, Laia Costa, Ramón Agirre u. a.
Länge
106 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, Originalfassung in Spanisch und Katalanisch mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
24 Bilder
Festivals
(2023) Frauen-Filmfestival Madrid: Bester spanischer Film; Internationale Filmwoche Valladolid