Inhalt
Julie ist jung, schön und erfolgreich. Aber nichts scheint sich richtig anzufühlen in ihrem Leben. Erst hat sie Medizin, dann Psychologie studiert, nun arbeitet sie in einer Buchhandlung und fotografiert nebenbei. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag lernt sie den älteren Aksel kennen und verliebt sich. Er zeichnet Underground-Comics und ist ein toller Gesprächspartner. Aber er hat die Sinnsuche in seinem Leben schon abgeschlossen und Erwartungen an Julie, die sie nicht erfüllen kann. Er will Kinder. Sie will keine. Zumindest noch nicht. Aber irgendwie wollen alle anderen, dass sie Kinder will. Eines Abends mischt sich Julie heimlich unter eine Hochzeitsgesellschaft und lernt Eivind kennen. Bei ihm kann sie endlich sie selbst sein. Aber wer war sie dann davor? Und was ist mit Aksel, den sie vermisst, aber mit dem sie nicht wieder zusammenkommen kann, weil er krank ist und bald sterben wird? Ein tragikomisches Porträt einer Generation, die von einer Fülle an Optionen überfordert und in Unentschlossenheit gefangen ist.
Umsetzung
Im dritten Teil seiner Oslo-Trilogie erzählt Joachim Trier in zwölf Kapiteln samt Prolog und Epilog von Sinnsuche, Schicksalshaftigkeit und Entweder-Oder-Dilemma. Inhalt und Form geben sich dabei die Hand. Wie seine Protagonistin auf der Suche nach sich selbst, mäandert der Film durch Erzählformen und Genres, probiert aus, bricht ab, beginnt neu: Mal mit Slow Motion-Szenen, amüsant kommentierender Voice-Over-Stimme oder sich abrupt ändernden Schnittrhythmen; mal mit teilanimierten Szenen oder einer im Freeze angehaltenen Welt; stets schnell erzählt, immer zwischen Flüchtigkeit und Tiefsinn. Dass das stetige Wechseln der Bildsprache am Ende in einem Ganzen aufgeht, ist nicht zuletzt auch dem herausragenden Spiel von Renate Reinvse zu verdanken – ausgezeichnet als beste Darstellerin auf den Filmfestspielen von Cannes. Nur ein Kapitel wird nicht aus der Perspektive ihrer Figur erzählt – als dramaturgisches Mittelstück in Rückblendenerzählung stellt es Eivind in den Fokus, der sich gleichfalls als der schlechteste Mensch der Welt sieht.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Anders als der ironische und selbstreflexive Filmtitel aufwirft, sind Juli und Eivind keineswegs die schlimmsten Menschen der Welt. Wie viele Jugendliche und junge Erwachsene hadern sie mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen, eigenem Anspruchsdenken und Möglichkeitsfülle. Mit seinem Titel lädt der Film ein, über Herausforderungen zu sprechen, unter denen junge Menschen aufwachsen und Zuschreibungen von Generationen zu diskutieren, die schon als Generation „Y“, „Z“ oder „Maybe“ zu fassen versucht wurden. Inhaltlich setzt jedes Kapitel des Films andere Schwerpunkte und liefert damit vielseitige Gesprächsanlässe. Im Herausgreifen einzelner Erzählsequenzen können deren filmische Besonderheiten untersucht und über Erwachsenwerden und Eltern-Kind-Beziehung, Berufswünsche und Rollen(vor)bilder gesprochen werden. Die Auseinandersetzung mit Entscheidungsfindungsprozessen und (eigener) Selbstverwirklichung kann die Filmarbeit abrunden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Haußmann
,
27.04.2022
,
letzte Aktualisierung:
30.05.2022
Regie
Joachim Trier
Buch
Joachim Trier, Eskil Vogt
Darsteller*innen
Renate Reinsve, Anders Danielsen Lie, Herbert Nordrum u. a.
Länge
127 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, norwegische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Koch Films
Festivals
Auswahl: Internationale Filmfestspiele von Cannes 202: Beste Darstellerin; Chicago International Film Festival 2021: Beste Kamera; New Yorck Film Critics Circle Award 2021 – Bester fremdsprachiger Film